Mittwoch, 19. Dezember 2018

Brian Hunter Der Mann, der Milliarden verzockte

In einer Woche verspielte er Milliarden und brachte den Hedgefonds Amaranth Advisors an den Rand des Ruins. Bislang galt Brian Hunter als Wunderknabe der Finanzmärkte. Seine Kritiker sagen jedoch, eine schon lange tickende Zeitbombe sei nun explodiert. Wer ist der mysteriöse Fondsmanager aus Kanada?

Greenwich - Das Vertrauen der Investoren ist dahin, im Moment zumindest. Geradezu kniefällig entschuldigte sich Nick Maounis kürzlich in einer Telefonkonferenz bei seinen Investoren: "Wir fühlen uns schlecht, weil wir unser Geld verloren haben", erklärte der Gründer und CEO der Hedgefonds-Gesellschaft Amaranth Advisors, "wir fühlen uns noch viel schlechter, weil wir Ihr Geld verloren haben."

Scheut die Öffentlichkeit: Brian Hunter hat in der Finanzwelt einen Namen, doch Fotos des Finanzjongleurs sind rar
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In der vergangenen Woche schmolz der Wert des Hedgefonds-Portfolios wie ein Schokoladeneis in der Spätsommerhitze: Innerhalb einer Woche hatte Amaranth Advisors rund fünf Milliarden Dollar verloren.

Nur 15 Minuten dauerte Maounis Erklärung. Nachfragen der Investoren ließ der Amaranth-Chef jedoch nicht zu - vermutlich wären sie sehr unangenehm ausgefallen, und hätten sich vor allem auf eine Person konzentriert: Brian Hunter.

Der 32-Jährige leitete bislang die Energieabteilung von Amaranth Advisors - und gilt als Hauptverantwortlicher für den Milliardenverlust. Im vergangenen Jahr hatte er seinem Arbeitgeber mit Wetten auf steigende Erdgaspreise noch etwa eine Milliarde Dollar Einnahmen ermöglicht.

Doch welch altbekanntem Irrtum erliegen viele Zocker am Roulettetisch? Erfolg macht sie gierig - und sie glauben, ihn wiederholen und die Glückssträhne verlängern zu können. Also setzte Hunter weiter auf steigende Erdgaspreise, doch die sanken zuletzt kontinuierlich. Denn diesmal kam Hunter kein Wirbelsturm zur Hilfe, wie dies im vergangenen Jahr mit "Katrina" oder "Rita" der Fall war.

Hunter verpasste den Moment, um seine Chips rechtzeitig vom Roulettetisch zu nehmen, bemerkte das "Wall Street Journal" zynisch. Dabei kennt der Fondsmanager die Launen der Märkte: "Jedes mal, wenn du glaubst zu verstehen, was die Märkte bewegt", sagte Hunter erst im Juli in einem Interview, "passiert etwas anderes." Denn gerade die Preise am Erdgasmarkt gelten als besonders volatil.

Wie war es möglich, fragen sich einige Investoren, dass Hunter so viel Geld riskieren und schlicht verspielen konnte? Wieso saß er nicht in der Unternehmenszentrale in Greenwich, sondern durfte von seinem Heimatort Calgary in Kanada aus arbeiten? Hunter war so etwas wie der Superstar bei Amaranth Advisors, er genoss Sonderrechte.

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