Freitag, 14. Dezember 2018

Shinzo Abe Japans "Falke" wird Ministerpräsident

Mit der Wahl von Shinzo Abe zum Nachfolger von Ministerpräsident Junichiro Koizumi gelangt in Japan erstmals ein Politiker an die Macht, der der Nachkriegsgeneration angehört. Noch weiß niemand so genau, was das Land unter seiner Regierung zu erwarten hat.

Tokio - Der mit 51 Jahren für japanische Verhältnisse noch junge Sohn einer Politikerfamilie verfügt nur über wenig Erfahrung in hoher Regierungsposition. Seine politischen Ansichten in einigen Bereichen, darunter wirtschaftlichen Reformen, sind bisher noch unscharf erkennbar.

Japans neuer Ministerpräsident: Der 51-jährige Shinzo Abe
Bekannt sind bisher vor allem seine rechtskonservativen Überzeugungen, die ihm den Ruf des Hardliners und Falken eingebracht haben und die manche im In- und Ausland mit ernster Sorge erfüllen.

Abes Konservativismus ist zum großen Teil beeinflusst durch seinen Großvater Nobusuke Kishi. Obwohl dieser nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten als mutmaßlicher Kriegsverbrecher verhaftet worden war, stieg Kishi 1957 zum Regierungschef auf.

Sein Enkel will nun den unerfüllten Traum seines Großvaters verwirklichen: Die pazifistische Nachkriegsverfassung durch eine neue zu ersetzen, um Japan wieder ein reguläres und flexibel einsetzbares Militär zu ermöglichen.

Dass ein Mann wie Abe Regierungschef werden kann, zeigt nach Ansicht von Kritikern, wie weit Japan unter Koizumi nach rechts gedriftet ist. Der Politologe Minoru Morita ist besorgt, dass dieser Trend unter Abe verstärkt wird. Abe gehört zu jenen, die Japan wieder zu einem "normalen" Land machen wollen. Den Weg ebnete Koizumi.

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