Freitag, 16. November 2018

Personalberatung TÜV für Headhunter

Müssen sich Personalvermittler nach einer Norm zertifizieren lassen, um sich von den schwarzen Schafen der Branche abzugrenzen? Das Personalberatungsunternehmen Mercuri Urval hat seinen gesamten Auswahlprozess vom TÜV prüfen lassen - ein bislang ungewöhnlicher Schritt. Doch in der Branche herrscht große Skepsis.

Frankfurt am Main - Nach der Norm DIN 33430 hat der TÜV Rheinland das Personalberatungsunternehmen zertifiziert. Das bedeutet: Wenn Mercuri Urval für seine Kunden Personal auswählt, wendet es normkonforme Verfahren an.

TÜV-Stempel für Personalberater: Qualitätsnachweis oder nur bürokratische Hürde?
[M] DPA, mm.de
TÜV-Stempel für Personalberater: Qualitätsnachweis oder nur bürokratische Hürde?
Was zunächst nach Bürokratie und Juristendeutsch klingt, wird die Branche mit ihren etwa 2000 Personalberatungsunternehmen nach Ansicht von Albert Nußbaum in Aufregung versetzen. "Wir haben die Messlatte für die Personalberatung erheblich höhergelegt", sagt der Deutschland-Geschäftsführer des 1967 in Schweden gegründeten Unternehmens selbstbewusst. Mercuri Urval deckt das Deutschland-Geschäft mit 80 Mitarbeitern ab.

Die DIN-Norm ist im Jahr 2002 von einem Kreis aus Wissenschaftlern und Fachleuten nach jahrelanger Ausarbeitung veröffentlicht worden. Sie bezieht sich auf den kompletten Auswahlprozess von der Stellenbeschreibung über Anforderungsanalyse und eignungsdiagnostische Testverfahren bis hin zur Qualitätskontrolle der Entscheidungsregeln.

Ein Beispiel: Personalberater, die gemäß der Norm handeln wollen, müssen vorab genau definieren, welche Fähigkeiten der Gesuchte besitzen muss - und nach welchen Kriterien sie den Kandidaten beurteilen. Ist Einfühlungsvermögen gefragt, Durchsetzungsfähigkeit oder am besten beides? Wie lassen sich die erwünschten Fähigkeiten am besten erkennen?

Ziel der Normierung: Personalauswahl darf kein Fischen im Nebel, keine Entscheidung nach Bauchgefühl, Sympathie und eigenem Gutdünken sein. Stattdessen sollen Entscheidungsprozesse nach standardisierten Schemata erfolgen, die objektiv, nachvollziehbar und wiederholbar sind.

Mit Hilfe der Norm ist es für die Unternehmen laut Nußbaum möglich, sich der Qualität ihrer Berater zu versichern, was auch mit Blick auf das im August in Kraft getretene Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz von Interesse sei.

Zahlreiche Personalberater haben sich bereits zertifizieren lassen. Dass sich ein ganzes Unternehmen ein Zertifikat für seinen Auswahlprozess ausstellen lässt, ist nach Auskunft von Mercuri Urval hingegen neu. Zunächst gilt die Bescheinigung drei Jahre lang. Nachdem die Halbzeit dieser Frist abgelaufen ist, muss Mercuri Urval sich nochmals vom TÜV überprüfen lassen.

Vollmundig spricht Nußbaum nun von einer Kampfansage an die in Deutschland gängige "Personalauswahl nach Gutsherrenart" und von zweifelhaften Methoden und Verfahren der Personalberatung, die eher "privatreligiösen Charakter" besäßen. Nur so sei es zu verstehen, dass die Zertifizierung der Personalberatungsunternehmen so lange auf sich habe warten lassen.

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