Montag, 19. November 2018

Hermann Langness Haudegen von der Waterkant

Hermann Langness dirigiert eine Lebensmittelkette (Famila), die sich in einer beinharten Branche wacker schlägt. Kern des Erfolgsrezepts: Konzentration auf Norddeutschland. So kann der zähe "local hero" im Kampf gegen Edeka, Aldi und Co. offenbar noch lange bestehen.

Kiel – Mit Menschen, die zaghaft auftreten, sich ständig rückversichern, zaudernd entscheiden, hat Hermann Langness wenig gemein. Der Chef der Bartels-Langness-Gruppe und damit eines der letzten großen Mittelständler im deutschen Lebensmitteleinzelhandel, gibt sich als kerniger Machertyp, der skeptische Einwände flugs zerstreut.

Hermann Langness: "Wir sind von Großen umzingelt"
Sollten in ihm, dem hünenhaften Schleswig-Holsteiner, doch einmal Zweifel hoch kriechen, Zweifel, ob seine Gruppe, die Nummer 15 der Branche, den beinharten Wettbewerb noch bestehen kann, dann sollte er von seinem Büro zwei Etagen hinabsteigen. Um aufzutanken an der Energieaufladestation im Keller seines Kieler Firmensitzes.

Unten in den Gemäuern des Rotklinkerhauses hat seine Frau in liebevoller Detailarbeit einen Kaufmannsladen rekonstruiert. In der Schrankwand aus Massivholz stehen fein säuberlich Kaffeepakete neben Weinen, eingerahmt von blitzblank polierten Emailleschildern der Marke Persil. Auf den Tresen wurden kiloschwere Registrierkassen und Waagen gewuchtet. Eine dunkelbraune Umtäfelung zieht sich an den Wänden entlang, geschmückt mit Schwarz-Weiß-Fotos, Großvater lässt grüßen. Eine Zeitreise zurück an den Anfang des vorherigen Jahrhunderts.

Zuckersüße Nachrichten selten

Hermann Langness schreitet in langen Schritten durch den erinnerungbeladenen Raum, zeigt auf Bilder, die Entbehrung andeuten. Als Arbeit gleich Maloche war. Als der Firmensitz noch am Kieler Hafen lag, direkt am Kai, und das Fußvolk Kaffeesäcke auf dem Rücken schleppte. Pause. Nächstes Foto: Arbeiter stehen lachend zusammen. Die fast mystifizierende Botschaft liegt nah: Wir schaffen es, trotz aller widrigen Umstände. Das ist genau nach dem Geschmack von Langness.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Gegen die Großen sich behaupten, als Team zusammenhalten, harte Zeiten durchstehen – das klingt nach seiner Vita. Und der bisherige Erfolg gibt ihm recht, in einer Branche, in der zuckersüße Nachrichten krümelweise vorkommen. "Wir haben schon Kaufangebote von Unternehmen bekommen", sagt Langness im Gespräch mit manager-magazin.de, "die es heute nicht mehr gibt". Seine Augen funkeln angriffslustig.

Er sitzt jetzt an seinem Schreibtisch, schenkt Tee ein. Sein Arbeitsraum ähnelt einem Wohnzimmer. Die Wände sind im warmen Gelbton gehalten, die Heizungskörper akkurat verblendet, einige Antiquitäten runden das anheimelnde Bild ab. Fehlt nur noch der Ohrensessel.

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