Mittwoch, 19. Dezember 2018

Fortress Dreschers neue Heimat

Noch in diesem Jahr will der Finanzinvestor Fortress seine milliardenschwere Immobiliengruppe Gagfah/Nileg an die Börse bringen. Chef des potenziellen Börsenstars wird der SPD-Politiker und Ex-RAG-Vorstand Burkhard Drescher.

Frankfurt am Main - Vor dem Hintergrund eines offenbar bevorstehenden Börsengangs bekommt die Immobiliengruppe des Finanzinvestors Fortress, Gagfah/Nileg, einen neuen Chef. Burkhard Ulrich Drescher werde zum 1. August den Posten übernehmen, teilte der Immobilienkonzern am Mittwoch in Essen mit.

Von der RAG zu Gagfah/Nileg: Oberhausens Ex-Bürgermeister Drescher
Einem Pressebericht zufolge visiert Fortress den Oktober als Zeitpunkt für den Börsengang an. Die Banken für die Emission sind schon mandatiert, zu ihnen gehören Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen, Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen und Dresdner Bank.

Der 55-jährige Drescher, der zuletzt als Vorstandsmitglied der RAG Immobilien AG arbeitete, löst Udo Bachmann ab. Dieser gehöre künftig dem Beraterstab der Gagfah/Nileg-Gruppe an. Zu den Gründen für den Wechsel wurden keine Angaben gemacht. Der Konzern war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Mit Drescher hat die Gagfah einen Mann gefunden, der beste Kontakte in Politik und Wirtschaft hat. Erst vor zwei Jahren hatte der Sozialdemokrat überraschend seinen Posten als amtierender Bürgermeister von Oberhausen aufgegeben und war zur RAG gewechselt. Für die SPD in Nordrhein-Westfalen offiziell ein schwerer Schlag, war Drescher doch schon als potenzieller Minister in Landeskabinett gehandelt worden. Insgesamt 20 Jahre war der SPD-Hoffnungsträger in der öffentlichen Verwaltung aktiv.

Tatsächlich befand sich Ex-Politiker Drescher bei der RAG in guter Gesellschaft. Der frühere Wirtschaftsminister Werner Müller leitet den Chemie-, Kohle und Immobilienkonzern, Ex-Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke lenkt das RAG-Tochterunternehmens Steag. Der einstige Finanzstaatssekretär Manfred Overhaus ist ebenso zum Beraterstab des Konzerns wie Altkanzler Gerhard Schröder.

Bei der RAG aber stand Drescher schon nach kurzer Zeit auf verlorenem Posten. In Folge der Umstrukturierung sollte er seinen Vorstandsposten verlieren. Wie die Fortress-Tocher Gagfah/Nileg will auch die RAG an die Börse, allerdings erst im kommenden Jahr. Die Gewerbeimmobilien, für die Drescher bis dato zuständig ist, sollen dann der RAG-Tochter Deutsche Steinkohle AG (DSK) zugeordnet werden.

Bei Gagfah/Nileg hat Drescher also nun seine neue Heimat gefunden. Wie ein roher Kapitalist will er jedoch auf keinen Fall vorgehen. "Bei Wohnungen, die ja ein intimer Lebensraum für Menschen sind, darf man die soziale Brille auf keinen Fall vergessen", so Drescher gegenüber der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Dass das Großkapital die Wohnungswirtschaft entdeckt hat, ist für Drescher wiederum eine logische Konsequenz: "Das ist eine internationale Entwicklung, die vor Deutschland nicht Halt machen kann."

manager-magazin.de mit Material von reuters

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