Montag, 23. Oktober 2017

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Ehrenstipendien Hochglanzpflege für die Karriere

Bill Gates ist nur einer von vielen Reichen, die Graduiertenstipendien an renommierten Unis wie Cambridge sponsern. Studenten, die ein Ticket ergattern wollen, müssen zumeist ein hartes Bewerbungsverfahren durchlaufen. Immerhin: Nach dem Abschluss müssen sie sich um ihre Laufbahn keine Sorgen machen. 

"Wie fanden sie eigentlich die Frauen in Burma?" meldet sich der graumelierte Herr zu Wort, der bisher kaum etwas gesagt hat. Der Kandidat zögert, versteht den Sinn der Frage nicht. Gerade noch hat er von einer Reise nach Südostasien erzählt, in einem formellen Bewerbungsgespräch vor einer Kommission – was hat da eine persönliche, fast schon intime Frage zu bedeuten? "Nun…", stammelt er, "eigentlich ganz einfach: Die laufen überall frei herum."

  Trinity College, Cambridge:  Glanzpunkt für jede Akademiker-Laufbahn
Credit: Benedikt Mandl
Trinity College, Cambridge: Glanzpunkt für jede Akademiker-Laufbahn
Fehlanzeige. Die vier Interviewer der Kommission verweigern jedes Lächeln; mit steinernen Mienen geben sie dem Kandidaten zu verstehen, dass es hier um Fakten geht und nicht um den Versuch, witzig zu sein. Immerhin müssen sie binnen 20 Minuten entscheiden, ob er geeignet ist, ein Doktorandenstudium an der Universität Cambridge anzutreten – mit einem hoch dotierten Ehrenstipendium, über dessen Vergabe eben ihre Kommission zu entscheiden hat.

Zu gewinnen gibt es hier ein Stipendium des "Gates Cambridge Trust", einer Stiftung die 2001 durch Microsoft-Gründer Bill Gates ins Leben gerufen wurde. Sie erlaubt jährlich etwa 100 jungen Menschen aus aller Welt, für ein- bis dreijährige Graduiertenstudien nach Cambridge zu kommen.

Ausweis akademischer Meriten

Das erklärte Ziel der Stiftung ist es, ein "Netzwerk zukünftiger Führungspersönlichkeiten" zu schaffen, das die Welt umspannt und dereinst zum globalen Wohlbefinden beitragen sollte. Der elitäre Beigeschmack ist dabei durchaus nicht unerwünscht. Im Gegenteil: "Honour Scholarships" gelten im wettbewerbsverliebten Kulturkreis des anglo-amerikanischen Raums als Olymp akademischer Meriten.

Das älteste und angesehenste Ehrenstipendium ist für die noch jungen Gates-Stipendien Vorbild und Rivale zugleich - und dazu noch in Oxford angesiedelt. Das Rhodes-Stipendium holt jährlich etwa 90 Studenten aus den USA, Deutschland und den Ländern des Commonwealth an die britische Eliteuni. Hier, so verfügte der Unternehmer, Politiker und Kriegsherr Cecil Rhodes in seinem Testament, sollten sie ab 1903 das Rüstzeug für eine Laufbahn erhalten, das sie an die Spitzen von Wirtschaft, Wissenschaft und Staat führt.

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