Samstag, 20. Oktober 2018

Verhandeln in Irland Fouls, sofort geahndet

In geografischer Randlage bietet Irland ultraniedrige Unternehmensteuern, einen flexiblen Arbeitsmarkt und wenig Bürokratie. Grund genug, für deutsche Manager auf der Grünen Insel Geschäfte abzuschließen. Vorausgesetzt freilich, sie kennen die Sitten und Gebräuche aus dem Effeff.

Vermeide politische Diskussionen über das Gastland, heißt eine goldene Regel für deutsche Manager, die im Ausland tätig sind. Das gilt umso mehr für Besuche in Irland.

Sergey Frank, in Österreich geborener Jurist russischer Herkunft, hat für viele namhafte Unternehmen in diversen Ländern verhandelt und Büros eröffnet. Er kennt die Stärken und Schwächen von Verhandlungspartnern und veröffentlichte das Buch "Internationales Business - Verhandeln, Präsentieren, Business English". Frank ist Personalberater bei Kienbaum Executive Consultants.
Obwohl das Verhältnis zu Großbritannien heute entspannter ist als in der Vergangenheit und zwischen den Konfessionen keine Konflikte bestehen – ganz im Gegensatz zu Nordirland – kann die politische Zuordnung zum Königreich Missfallen erregen. Die Iren sind stolz auf ihr Land, die Grüne Insel, ihre neutrale politische Haltung und ihr humanitäres Engagement in der dritten Welt.

Im Gegensatz zu England ist Irland mehrheitlich tief im katholischen Glauben verwurzelt. Es kommt daher auch nicht von ungefähr, dass der berühmte Spanier Salvador de Madriaga die Iren einmal die Spanier des Nordens nannte. Tatsächlich gibt es einige frappierende und nicht erwartete Gemeinsamkeiten zwischen Iren und Spaniern: die Stärke traditioneller Konventionen, die Großzügigkeit und Gastfreundschaft, die rhetorische Begabung und der Nationalstolz.

Zahlreiche irische Familien sind in den vergangenen Jahrhunderten vor allem aus wirtschaftlichen Gründen ausgewandert, vornehmlich in die USA. Viele von ihnen sind dort wirtschaftlich, aber auch politisch sehr erfolgreich geworden. Bestes Beispiel dafür ist die Kennedy-Familie.

Der irische Partner ist gewöhnlich sehr höflich, freundlich und zeigt sich humorvoll, obgleich dieser Humor vielfach aufbrausender und lauter ist als zum Beispiel der Humor der Briten. Stark verbreitet ist auch die Gesangskunst. In alten, zumeist traditionsreichen Kneipen, den Pubs, ist es gang und gäbe, aus voller Kehle zu singen.

Deshalb schätzen die Iren auch die deutsche Sangesfreude. Im Übrigen sind sie vom Naturell her auch mediterranen Verhandlern ähnlich. Typisch für die Iren ist ihr Enthusiasmus, der manchmal so dominant erscheint, dass es angebracht ist, im Rahmen von Verhandlungen besprochene Ideen und Lösungen erst einmal zu überschlafen, bevor endgültige Entscheidungen getroffen werden.

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