Sonntag, 17. Februar 2019

Friedrich von Metzler Der Purist und der Turbokapitalismus

Seit nunmehr 332 Jahren ist das Bankhaus Metzler im Besitz und in elfter Generation unter Leitung der Familie Metzler - Tradition pur. Das Erfolgsgeheimnis: Kein Börsianer, kein frecher Analyst und schon gar kein Investmentbanker kann Familienoberhaupt Friedrich von Metzler in seine Geschäfte hineinregieren.

Das helle sechsstöckige Anwesen mit den wuchtigen Mauern steht da wie eine uneinnehmbare Trutzburg. Mögen die Wolkenkratzer der mächtigen Frankfurter Finanzkonzerne ringsherum ihre Schatten auf das klassizistische Gebäude in der Großen Gallusstraße werfen - diese antike Festung, so scheint es, hält den Wirren der Neuzeit stand und bietet einen krassen Kontrast zu all den hypermodernen Glastürmen, die sich von oben herab wie anerkennend verneigen.

Bankier von Metzler: "Ich wollte unser Haus nicht als ein Abbild anderer Großbanken positionieren"
Willkommen im Bankhaus Metzler. Gegründet Anno 1674 vom Pfarrersohn Benjamin Metzler. Seit nunmehr 332 Jahren im Besitz und in elfter Generation unter Leitung der Familie Metzler. Die älteste unabhängige Privatbank Deutschlands im permanenten Besitz der Familie. Ein wertvolles Empire-Sofa im Entree, Ölporträts der Familie an den Wänden, livrierte Diener auf den Gängen - Tradition pur.

Doch wer meint, dass Friedrich von Metzler mit strengem Cut, Hut und Gehstock daherkommt, täuscht sich gewaltig. Der Chef des Hauses ist ein überaus freundlicher, jovialer und modern wirkender Banker, der gerne lacht, amüsante Anekdoten erzählt, gut zuhören kann und genau weiß, wie er in Zeiten der weltumspannenden Finanzkonglomerate, des Shareholder-Value und der aggressiven Heuschrecken für sein Haus eine überaus lukrative und eigenständige Nische finden kann.

Ein dezenter Mantel des Schweigens

Es ist die finanzielle Unabhängigkeit, die Metzler so stark macht. Kein Börsianer, kein frecher Analyst und schon gar kein Investmentbanker kann Friedrich von Metzler in seine Bankgeschäfte hineinregieren. Quartalsberichte? Renditezahlen? Wachstumsprognosen? Fehlanzeige! Das Bankhaus Metzler hüllt über sein Zahlenwerk einen dezenten Mantel des Schweigens. Gerade einmal das Gründungsdatum des Hauses werde den neugierigen Journalisten verraten, scherzt der Chef.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Der Ursprung des Frankfurter Bankhauses geht zurück auf eine Tuchhandlung, die Benjamin Metzler im Jahre 1674 gründete. Das Handelshaus konzentrierte sich auf das Kommissions- und Speditionsgeschäft, so dass der innovative Firmengründer einer guten Idee eine noch bessere folgen ließ: Er bot seinen Kunden Kredite zur Finanzierung der Waren an. Schnell entwickelte sich die Tuchhandlung zu einem der etabliertesten Finanzhäuser Frankfurts, das in das profitable Geschäft mit Staatsanleihen einstieg und etwa für das preußische Königshaus Finanzierungen arrangierte.

Über die Jahrhunderte verfeinerte die Privatbank ihre Strategie, sah neue Wettbewerber wie "Aktienbanken" kommen und gehen, steuerte unbeirrt durch die Kaiserzeit und die Weimarer Republik, überstand die Nationalsozialisten und wurde schließlich doch im Mai 1944 bei einem Luftangriff auf Frankfurt ausgebombt.

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