Freitag, 16. November 2018

Gazprom-Chef Millers Monopoly

Seinen Aufstieg verdankt er einem Mann: Wladimir Putin. Im Auftrag von Russlands Staatspräsidenten mistete Alexej Miller bei Gazprom mit eisernem Besen aus. Mittlerweile formt Miller den weltgrößten Gasproduzenten zum vielfältigen Energieanbieter um - und übt sich nebenbei im politischen Schattenboxen.

Hamburg - Bedürfte es noch eines Beweises, dass Alexej Miller eine enorme Bedeutung in der russischen Wirtschaft zukommt, die "Nesawissimaja Gaseta" erbringt ihn in regelmäßigen Abständen. Die russische Zeitung veröffentlicht allmonatlich die Liste der einflussreichsten Russen, getrennt nach Politik und Wirtschaft.

Aufstieg dank Putin: Gazprom-Chef Alexej Miller
Ob inmitten schwerreicher Oligarchen oder bestvernetzter Politiker: Miller schlägt sich in beiden Listen sehr ordentlich. Damit hat er eines seinem Hauptförderer, keinem Geringerem als Russlands Staatspräsidenten Wladimir Putin, voraus. Miller taucht - anders als sein Mentor - seit langem in beiden Segmenten auf. Doch ohne Putin wäre Miller nie dort angekommen, wo er heute sitzt: auf dem Chefsessel des weltgrößten Gaslieferanten Gazprom Börsen-Chart zeigen.

Millers erste Karriereschritte schienen zunächst wenig Anlass für verheißungsvolle Perspektiven zu geben. Der Mann, der 1962 in St. Petersburg geboren wurde, hatte Wirtschaftswissenschaften in seiner Heimatstadt studiert. Danach war er an einem Forschungsinstitut tätig, promovierte und arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Erste wichtige Praxiserfahrung sammelte er in der Stadtverwaltung von St. Petersburg. Dort war er zuständig für die Ansiedlung ausländischer Unternehmen.

Den entscheidenden Kontakt für seine Karriere knüpfte Miller im Jahr 1991, als Putin sein Chef wurde. Diese glückliche Fügung war dafür verantwortlich, dass Miller mehr und mehr Verantwortung zugesprochen bekam. 1996 wurde der schüchterne Rotschopf zum Chef der St. Petersburger Seehäfen berufen und 1999 zum Generaldirektor der Baltischen Pipeline-Systeme. 2000 schließlich wurde Miller, Putin war gerade Präsident geworden, Russlands Vizeminister für Energie.

Dass Putin bei der Besetzung von Schlüsselpositionen in Politik und Wirtschaft gerne auf alte Bekannte zurückgreift, zeigt sich exemplarisch im Fall Miller. Obwohl Miller bis dato noch nie ein großes Unternehmen geführt hatte, wird er ein Jahr nach seinem Ministerposten Chef von Gazprom. Die Personalie war damals ein starkes Signal für Reformen in Russland - waren sich zumindest die Wirtschaftsliberalen sicher. Der Gazprom-Aktienkurs schnellte prompt um 5,4 Prozent nach oben.

Putin hatte seinem Protegé damals mehrere Aufgaben mitgegeben. Miller sollte zum einen mit mehr Transparenz die Attraktivität von Gazprom für ausländische Investoren erhöhen. Denn am Amtsverständnis von Millers Vorgänger Rem Wjachirew hatte sich erhebliche Kritik entzündet. Etliche Berichte über Begünstigungen und undurchsichtige Geschäfte bei Gazprom hatten die Runde gemacht.

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