Mittwoch, 12. Dezember 2018

Deutsche Manager "Ein unglaubliches Potenzial zerstört"

In vielen deutschen Unternehmen scheint immer noch eine tumbe Klassengesellschaft zu herrschen, meint Armin Falk. Der Bonner Professor und Arbeitsexperte analysiert im Gespräch mit manager-magazin.de die Führungsfehler unserer Manager.

Armin Falk ist Forschungsdirektor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Professor für Volkswirtschaftslehre und Leiter des Laboratoriums für experimentelle Wirtschaftsforschung der Uni Bonn.

mm.de: Herr Professor Falk, sind wir Deutsche zu faul?

Falk: So pauschal würde ich das nicht sagen. Im Gegenteil, viele Spezialisten arbeiten zu viel, gerade angesichts des enormen Drucks, dem sie heute ausgesetzt sind. Sie brauchen mehr Freizeit und auch mehr Freiheit.

mm.de: Das müssen Sie erklären.

Falk: Wir wachsen in eine Arbeitswelt hinein, wo es gerade für die Hochqualifizierten keine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit mehr gibt. Zugleich sind die Anforderungen stark gestiegen, beruflich wie privat.

Im Job erleben viele die Folgen permanenten Wettbewerbsdrucks; sie müssen extrem flexibel sein, immer erreichbar. Dazu kommt, dass inzwischen häufig beide Ehepartner Erwerbs- und Hausarbeiten sowie die Kindererziehung teilen.

mm.de: Zumal sich die Menschen heute ihre Kräfte für ein langes Arbeitsleben einteilen müssen.

Falk: Richtig. Die heutige mittlere Generation muss sich darauf einrichten, bis an die 70 zu arbeiten, viele womöglich sogar darüber hinaus. Das ist ein Langstreckenlauf, auf den man sich vorbereiten muss. Und den hält man nur durch, wenn die Arbeitgeber darauf Rücksicht nehmen.

mm.de: Eine schöne Forderung, die leider eindeutig dem Zeitgeist widerspricht.

Falk: Mag sein. Deutsche Manager haben großen Nachholbedarf, gerade was die Führung von Hochqualifizierten angeht. Von diesen Leuten haben wir sowieso zu wenige in Deutschland. Für den langfristigen Erfolg der Unternehmen ist es unumgänglich, gerade diese Leute zu motivieren.

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