Freitag, 14. Dezember 2018

Vodafone Chris Gent gibt auf

Seit Wochen schon tobt ein Machtkampf bei Vodafone, dem größten Mobilfunkkonzern der Welt. Nun wirft auch Ehrenpräsident Christopher Gent, Ex-Chef und bis heute prominentester Kopf der alten Garde, das Handtuch.

London - Der frühere Chef des weltweit umsatzstärksten Mobilfunkers Vodafone Börsen-Chart zeigen, Christopher Gent, hat das Unternehmen im Streit verlassen. Der 57-Jährige erklärte nach wochenlangen Auseinandersetzungen um den Kurs des Konzerns seinen Verzicht auf das Amt als Vodafone-Ehrenpräsident auf Lebenszeit.

Zeit zu gehen:
Christopher Gent, langjähriger Chef von Vodafone, gibt sein Amt als Ehrenpräsident auf
Gent wies am Sonntagabend Vorwürfe zurück, er habe das derzeitige Management behindert. "Wenn es eine Kampagne oder eine Verschwörung gäbe - was ich sehr bezweifle - dann bin ich daran nicht beteiligt", erklärte Gent.

In der vergangenen Woche hatten mehrere Zeitungen über Auseinandersetzungen zwischen dem Lager um Vodafone-Vorstandschef Arun Sarin und der alten Garde um Gent und Oberkontrolleur Ian MacLaurin berichtet. MacLaurin hatte sich am Sonntagnachmittag allerdings für Sarin ausgesprochen.

Ebenfalls war in der vergangenen Woche bekannt geworden, dass mit Marketingchef Peter Bamford der letzte operativ tätige Topmanager aus der Gent-Ära Vodafone verlässt. In der Londoner Zentrale heißt es, Bamfords Ausscheiden habe mit einer Neuausrichtung der Konzernstrategie zu tun. Worin diese Neuausrichtung besteht, wollte ein Sprecher des Unternehmens nicht näher erläutern. Bamford, der als Vertrauter Gents gilt, gehe jedenfalls nicht im Streit.

Gents Verbündeter wurde degradiert

Mit dem nun erfolgten Abgang Gents verlässt der international prominenteste Kopf den Konzern. Denn Gent war es, der zusammen mit Julian Horn-Smith und Ken Hydon den Grundstein für die aggressive Expansionsstrategie Vodafones legte. Sarin konnte bereits zuvor einen Punktsieg verbuchen, als Horn-Smith, offiziell stellvertretender Vorstandschef, ankündigte, Vodafone zur Hauptversammlung im Juli zu verlassen.

Auslöser des angekündigten Abgangs von Horn-Smith ist offenbar seine Degradierung durch Sarin. Denn der Vodafone-Chef lässt seit geraumer Zeit die verantwortlichen Manager der wichtigsten Landesgesellschaften direkt an sich berichten - unter Umgehung von Horn-Smith, der bisher als Vorstand für das operative Geschäft die Fäden zog.

Horn-Smiths Verbündeter Gent hatte Zeitungsberichten zufolge im vergangenen Jahr sogar erwogen, gegen eine Wiederwahl Sarins zu stimmen. Nun allerdings erklärte der frühere Vorstandschef, er habe seit seinem Rückzug aus dieser Position im Juli 2003 weder mit der Presse noch mit Aktionären über Vodafone gesprochen. "Als ich Vorstandsvorsitzender war, waren die Beziehungen zwischen dem Unternehmen und dem Management von Offenheit und Vertrauen geprägt", kritisierte Gent zugleich die jetzige Führung. Gent hatte Vodafone mit der Übernahme von Mannesmann im Jahr 2000 zum weltgrößten Mobilfunker ausgebaut.

Auch Chairman MacLaurin brach sein Schweigen, nachdem die Zeitung "Observer" berichtet hatte, er habe versucht, Sarin bei einer Sitzung des Boards in Madrid aus dem Amt zu drängen. In dem Führungsgremium von Vodafone sind nach angelsächsischem Standard sowohl Vorstandschef als auch der nicht operativ tätige Chairman Mitglieder.

Er habe die jüngsten Zeitungsberichte mit großer Sorge gelesen, sagte MacLaurin am Sonntag. "Ich will klarstellen, dass ich und das Board Arun Sarin uneingeschränkt unterstützen, weil er das Unternehmen in diesen Zeiten voller Veränderungen und Herausforderungen vorwärts bringt", sagte er. MacLaurin wird im Juli sein Amt als Chairman abgeben. Sein Nachfolger wird der derzeitige HSBC-Chairman John Bond.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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