Freitag, 23. Juni 2017

Bonus-Zahlungen Füllhorn über London

Rund 7,5 Milliarden Pfund schütten Goldman Sachs, Deutsche Bank & Co. in diesem Jahr an Sonderprämien für ihre Londoner Investmentbanker aus. Doch nicht nur die horrenden Boni machen die City als Arbeitsplatz für deutsche Banker interessant.

London - Die Glücksgöttin Fortuna kreist derzeit über der City of London. In der Hand hält sie ein randvolles Füllhorn, das sie nach und nach über der Square Mile zu entleeren gedenkt. Die Angestellten von Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, Lehman Brothers Börsen-Chart zeigen und Merrill Lynch Börsen-Chart zeigen durften ihre Segnungen schon vor einiger Zeit erfahren. In der vergangenen Woche war UBS Börsen-Chart zeigen an der Reihe. Und die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen ist auch in dieser Disziplin im Hintertreffen: Ihre Banker bekommen mit als Letzte in der ganzen City am 6. Februar den begehrten Bonus ausgeteilt.

Big Ben und Big Money: Der boomende Aktienmarkt und eine gestiegene Anzahl von Firmenzusammenschlüssen haben die Gewinne der Banken auf Rekordniveau steigen lassen
Fortuna hat dieses Mal Großes im Gepäck: Nach Berechnungen der City-Denkfabrik "Centre for Economics and Business Research" (CEBR) bekommen rund 3000 Banker in diesem Jahr einen zusätzlichen Gehaltsscheck von mehr als einer Million Pfund (1,5 Millionen Euro). Das ist immerhin knapp 1 Prozent der rund 325.000 Banker in der City. Der boomende Aktienmarkt und eine gestiegene Anzahl von Firmenzusammenschlüssen haben die Gewinne der Banken auf Rekordniveau steigen lassen. Insgesamt, so schätzt das CEBR, werden in diesem Jahr Boni im Wert von rund 7,5 Milliarden Pfund auf die City niederprasseln. Das entspricht in etwa der Höhe des Bruttosozialprodukts von Mazedonien, immerhin einem Staat mit mehr als zwei Millionen Einwohnern.

Die Boni liegen erstmals wieder über den Summen während des Internetbooms im Jahr 2000. Dabei agiert Fortuna aber weniger wie ein verspätetes Christkind, sondern eher als monetäre Reinkarnation vom Nikolaus und seinem Knecht Ruprecht. Denn die Höhe der Sonderzahlung ist ein klares Signal. Nicht die absolute, sondern die relative im Vergleich zum Vorjahr. Hat der Chef beispielsweise beschlossen, seinem Untergebenen den Bonus von 600.000 Pfund im Vorjahr auf "nur" 500.000 zu kürzen, kann der Rausschmiss kurz bevorstehen. "Liebling, wir müssen kürzer treten", heißt es dann schnell zu Hause, und aus dem ruhigen Zwölf-Stunden-Arbeitstag wird ganz schnell einer mit 22 Stunden.

Porsche nur nach Vorbestellung

Doch wer einen der 3000 Schecks ergattert, die auf Summen über einer Million Pfund ausgestellt sind, der fühlt sich wie ein Lottogewinner. Er zahlt die absurd hohe Hypothek auf sein windschiefes Londoner Reihenhaus in Notting Hill oder South Kensington ab und kauft sich dazu noch gleich eine Villa in Südfrankreich, wo er aber dank Zeitmangels sowieso nur Frau und Kinder hinfahren lassen kann, was aber wiederum nicht ganz unpraktisch ist, denn dann sind sie wenigstens eine Zeit lang weit genug weg und maulen ihm nicht wegen des 22-Stunden-Arbeitstages die Ohren voll. Gerade im südlichen Europa rechnen die Immobilienhändler in diesem Jahr mit einem starken Ansteigen der Preise - allein wegen der enormen Boni in der City.

Für Nicht-Familienväter unter den Bonusempfängern bietet sich das neueste Porsche-Cabrio-Modell (gesprochen: Poohsch) als Spielzeug an. "Das ist für uns aber eher ein klassischer urbaner Mythos", sagt dazu allerdings Andrew Davis, Pressesprecher bei Porsche UK. "Man kann nicht einfach in einen Laden reinschneien und einen Porsche bar kaufen. Unsere Modelle müssen immer vorbestellt werden." Davis sieht daher keine Nachfragespitze wegen der aktuellen Bonusflut.

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