Montag, 20. August 2018

Sybill Storz Scharmützel mit Störenfrieden

Sybill Storz führt ihr Unternehmen wie man es von einer Matriarchin alter Schule erwartet. Das Ergebnis: Ein Endoskopie-Hersteller, der wächst und gedeiht, ein "Hidden Champion" wie aus dem Lehrbuch. Nur ein Patentrezept gegen die schlauchenden Plagegeister aus der Nachbarschaft fehlt.

Tuttlingen - Ein paar Mal im Jahr arbeitet Sybill Storz als Detektivin. Dann inspizieren sie und ihre Mitarbeiter die Stände der Konkurrenz auf den Messen der Medizintechniker. Und nicht selten machen die Fahnder Beute auf der Suche nach Endoskopen, die den ihrigen verteufelt ähnlich - aber gefälscht - sind.

Höflich, konziliant, distinguiert: Sybill Storz
Für ein anschließendes juristisches Scharmützel mit den missliebigen Kontrahenten muss Storz keine weite Fahrt in Kauf nehmen: Jene Nachahmer residieren nicht etwa in Südostasien, sondern gleich nebenan - im schwäbischen Tuttlingen. Manche sogar nur einen Steinwurf entfernt von Sybill Storz' Unternehmen, das den Namen ihres Vaters Karl Storz trägt.

Die räumliche Nähe nimmt kaum wunder, denn Tuttlingen ist für Medizintechnikhersteller das, was Hamburg für deutsche Hafenbetriebe ist: ein Mekka. Nicht weniger als 400 Betriebe siedelten in der Stadt an der Donau, viele mit nicht mehr als zehn Mitarbeitern, oftmals Garagenfirmen, die wie Jahreszeiten kommen und gehen. Dazu gesellten sich Zuliefererbetriebe wie Werkzeugmacher oder Galvaniseure, die lukrative Geschäfte wittern.

"Die sind schweigsamer als Mafiosi"

Ein industrielles Kraftzentrum Deutschlands, das trotz der wirtschaftlichen Potenz bundesweite Publizität äußerst selten erfährt. Selbst die deutsch-deutschen Plagiatstreitigkeiten werden kaum thematisiert - nicht mal in den örtlichen Zeitungen. Was weniger an den Schreibern liegt, sondern vielmehr an der Geheimdienstatmosphäre der Branche. Ludger Möllers, Lokalchef bei der "Schwäbischen Zeitung", meint: "Die sind schweigsamer als Mafiosi, belauern sich ständig und einigen sich meist ohne ein Gericht."

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Wenn Sybill Storz über die Produktpiraten sprechen soll, reagiert sie ganz unallergisch. Eigentlich merkwürdig, denn die Patentdiebe sind zumeist ehemalige Vertriebsmitarbeiter, die sich selbstständig gemacht haben. Andererseits: Die Alleingeschäftsführerin von Karl Storz, Jahrgang 1937, weiß sich sehr zu beherrschen und zu kontrollieren. Wenn sie sagt: "Es gibt eine Unzahl von Unternehmen, die unsere Produkte kopieren", darf man das als bedeutende Gefühlsäußerung verstehen.

Das Geplänkel mit den schwarzen Schafen ist dennoch so lästig wie mancher Krankenhausaufenthalt. "Das Echte von dem Gefälschten zu unterscheiden, ist außerordentlich schwierig", klagt Storz, die über 8000 Produkte herstellen lässt. Schon allein der Testkauf sei kompliziert; bitte dazu keine Nachfragen.

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