Dienstag, 20. November 2018

Sybill Storz Scharmützel mit Störenfrieden

2. Teil: Anwalt, Gericht, einstweilige Anordnung

"Nicht im Verhältnis zum Schaden"

Dann gelte es einen Anwalt zu überzeugen, und im Extremfall Gerichte. Bei hartnäckigen Rivalen hat Storz, ausgestattet mit einstweiligen Anordnungen, schon mal Vitrinen auf Messeständen leer räumen lassen. Derzeit sind rechtliche Schritte gegen etwa 20 Unternehmen eingeleitet. "Die Schadenersatzsummen spielen dabei keine Rolle", erzählt Storz, "sie stehen nicht im Verhältnis zum Schaden". Über genaue finanzielle Folgen will sie aber nicht sprechen. Sie gibt sich nun reserviert.

Karl-Christian Storz: Der Sohn koordiniert die Entwicklungsaktivitäten und zeichnet verantwortlich für zwei Produktionsstätten
In der Öffentlichkeit ähnlich zurückhaltend war ihr Vater Karl Storz, der das Unternehmen nach dem Krieg 1945 gegründet hatte. Für den Start in den unruhigen Zeiten bedurfte es eines Tricks, wie die heutige Firmenchefin dann zu berichten weiß. "Eigentlich durften damals nur Personen Firmen gründen, die im Besitz einer Handwerkskarte waren", erzählt Storz "mein Vater hatte keine, aber den gleichen Namen wie mein Großvater, so klappte es dann doch."

Karl Storz begann zunächst damit, simple Stirnlampen und Instrumente für den Hals-Nasen-Ohren-Bereich herzustellen. Schon bald entfaltete Storz Kreativität. Das spiegelt die Zahl der Patente wider (Stand 2006: 1270). Großen Erfolg erfuhr der Selfmademan mit der Konstruktion eines Linsensystems, das den Blick ins Innere des Körpers ermöglichte - quasi durch ein Schlüsselloch. Mit solcherlei Endoskopen ist der Firmenverbund heute Weltmarktführer und einer der deutschen "Hidden Champions".

Erfolgreich, aber wenig bekannt

Also jener Betriebe, deren Erfolg im umgekehrten Verhältnis zur Bekanntheit steht, die zumeist in einem schwäbischen Dorf innovationsfreudig werkeln, bei denen Arbeitsplätze gerne vererbt werden, Gewerkschaften nicht willkommen und bei denen Pressesprecher entweder nicht vorgesehen sind oder im engsten Verhältnis zur Eigentümerfamilie stehen. Devise: Wer zur Öffentlichkeit spricht, muss ein Clan-Intimus sein. Die Geschichte von Karl Storz liefert dafür beredtes Zeugnis.

Teil der Optikproduktion: Aufgekittete Linsenrohlinge
KARL STORZ GMBH
Teil der Optikproduktion: Aufgekittete Linsenrohlinge
Die Pressesprecherin, so tuschelt man in der Branche, gilt mit dem einzigen Sohn der geschiedenen Eigentümerin als liiert. Der Auserwählte, mit Namen Karl-Christian (39), ist ein studierter Physiker, koordiniert die Entwicklungsaktivitäten und zeichnet verantwortlich für zwei Produktionsstätten.

Über Wohl und Wehe der Firma entscheidet freilich dessen Mutter: Sybill Storz. Sie hat stets das getan, was man erwarten kann von einem Nachkommen einer schwäbischen Geschäftsfamilie. Fast immer. Denn nach der mittleren Reife ließ sie sich erst zur Fremdsprachenkorrespondentin ausbilden, bevor sie - ohne große Diskussion - in die Familienfirma eintrat. 1996, nach dem Tod ihres Vaters, übernahm sie die Leitung.

Auch wenn der Storzsche Internetauftritt sehr auf den Gründer fixiert ist, sind Zweifel fehl am Platz: Entscheidend weiterentwickelt hat Sybill Storz das Unternehmen. Unter ihrer Herrschaft wächst das Unternehmen, das auch Endoskope für die Industrie und Veterinärmedizin herstellt, fast jedes Jahr zweistellig. Erzielten die Tuttlinger 2001 noch 488 Millionen Euro waren es im vergangenen Jahr 634 Millionen Euro. 3580 Mitarbeiternamen stehen auf den Lohnlisten.

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