Samstag, 20. Oktober 2018

Management Zwischentöne, die nicht jeder hört

Deutsche Verhandlungspartner, die sich im Ausland nicht auf die jeweilige Kultur des Landes einstellen, scheitern zumeist grandios. Japaner, Amerikaner und Deutsche sind allein beim Thema Streitkultur grundverschieden.

Berlin/München - Auch in der Berufswelt verlieren Grenzen an Bedeutung. "Think global" - die ganze Welt im Blick behalten: Dieses Motto gilt längst nicht mehr nur für Wirtschaftsführer, sondern auch für viele Arbeitnehmer. Doch bei Kontakten mit Kollegen und Geschäftspartnern im Ausland lauern immer wieder Fettnäpfchen.

Internationales Verhandeln: Benimm-Regeln sind von Land zu Land verschieden
Was in einem Land als formvollendet gilt, kann im anderen rücksichtslos wirken. Umso wichtiger ist es, die Grundlagen der Benimm-Regeln des jeweiligen Landes zu kennen, sonst endet schlimmstenfalls schon das erste Meeting im Eklat.

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die für große Missverständnisse sorgen: "In orientalischen Ländern zum Beispiel ist es eine Beleidigung, einem Gesprächspartner die Schuhsohle zu zeigen", sagt der auf Business-Etikette spezialisierte Kommunikationstrainer Hans-Michael Klein. "In China dagegen sollte man nie die Stäbchen ins Essen stecken." Oft gibt es gerade in der Gesprächskultur große Unterschiede: "Die Japaner kennen 600 Arten Nein zu sagen", erzählt der Experte aus Essen.

Verschiedene Kommunikationsstile

"Gesprächspartner in Japan lehnen einen Vorschlag nicht einfach ab. Aber wenn sie sagen "Das ist schwierig", heißt das "Es geht nicht"." Schweigen dagegen heißt tatsächlich "Nein", einfach nur mit "Ja" zu antworten, dagegen "Ich habe verstanden". Wichtig ist auch, sich über die Unterschiede im Umgang mit Kritik bewusst zu sein.

Weist ein Deutscher einen Japaner öffentlich zurecht, kann das Lachen auslösen - aus Verlegenheit. "Deutsche fühlen sich dann leicht ausgelacht, und der Konflikt eskaliert", erläutert Klein.

In den USA sei die Streitkultur ganz anders. "Da ist es üblich, auch mal laut zu werden", sagt der Kommunikationsexperte. "In Großbritannien dagegen sollte man lieber leiser sprechen, um nicht anzuecken."

Deutsche seien im internationalen Vergleich näher an den Amerikanern als an den Briten, hat Klein beobachtet. "Wir sind einfach sehr direkt", sagt auch die Etikette-Expertin Isabel Nitzsche aus München. Für Briten dagegen sei der indirekte Kommunikationsstil geradezu typisch: "Deutsche merken es dort oft gar nicht, wenn sie kritisiert werden. Sie hören diese Zwischentöne einfach nicht."

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