Montag, 10. Dezember 2018

Italienische Affäre Ex-Chef-Banker in Haft

Die Affäre um die Übernahmeschlacht der Banca Popolare Italiana (BPI) ist noch längst nicht ausgestanden. Während Zentralbankchef Antonio Fazio weiter alle Schuld von sich weist, haben nun die Handschellen bei Ex-BPI-Chef Gianpiero Fiorani geklickt.

Rom - Der italienische Bankier Gianpiero Fiorani, ein Vertrauter von Zentralbankchef Antonio Fazio, ist am Dienstagabend in Mailand festgenommen worden.

Festnahme: Gianpiero Fiorani in Begleitung von Polizisten
Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Vorstandschef der Banca Popolare Italiana (BPI) sowie drei weiteren Festgenommenen vor, im Übernahmekampf um die Banca Antonveneta Unterschlagungen, Betrug und andere Straftaten begangen zu haben.

Im Zusammenhang mit der Übernahmeschlacht war vor Monaten auch Fazio ins Visier der Justiz gerückt: Er soll versucht haben, die niederländische Bank ABN Amro auszustechen und Fioranis Bank zu begünstigen.

Italienische Zeitungen hatten vor einiger Zeit pikante Details eines Telefonats zwischen Fiorani und Fazio veröffentlicht. Richter hatten das Gespräch aufzeichnen lassen. Thema war die Zustimmung der Zentralbank zum Kauf der Bank Antonveneta durch die BPI. "Ich habe gerade unterschrieben", sagte Fazio unter Bezug auf das Zustimmungsschreiben. "Tonino, ich bin gerührt, ich danke dir, ich habe Gänsehaut, wenn ich könnte, würde ich dich jetzt auf die Stirn küssen", antwortete BPI-Chef Fiorini laut dem Protokoll.

Trotz zahlreicher Rücktrittsforderungen ist der Notenbankchef jedoch weiterhin im Amt. "Ich habe ein reines Gewissen und habe immer korrekt nach den Gesetzen gehandelt. Wenn Fiorani Delikte begangen hat, dann haben wir damit nichts zu tun", zitierte die Zeitung "Corriere della Sera" Fazio am Mittwoch.

Am Dienstag hatte auch die EU-Kommission mitgeteilt, den Bankenmarkt in Italien prüfen zu wollen. Es soll festgestellt werden, ob das Land sich unfair gegenüber ausländischen Käufern verhalten hat.

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