Samstag, 23. Februar 2019

Familie Scheufele Glück, Glanz und gute Geschäfte

2. Teil: Das komplexe Familienkonglomerat

Scheufele ist Herr über drei Produktionsstandorte in Deutschland und in der Schweiz, dazu 79 Geschäfte in 56 Ländern und ein fein gesponnenes Geflecht aus sieben Firmen. Chopard brachte zuletzt um die 60.000 Schmuckstücke und 70.000 Uhren pro Jahr unter die (besser situierte) Klientel. Allein in den vergangenen fünf Jahren konnte das Unternehmen seinen Umsatz um 45 Prozent erhöhen.

Chopard

Leitung: Karl Scheufele (l.) ist Präsident der schweizerischen Chopard Holding SA, seine Kinder Karl-Friedrich (r.) und Caroline (2.v.l.) sind Vizepräsidenten.

Mitarbeiter: Chopard beschäftigt 1250 Angestellte weltweit.

Produktion: In Genf und Pforzheim stellt Chopard Uhren und Schmuck her. In Fleurier produziert die Chopard Manufacture SA eigene Uhrenkaliber, das Werk in Meyrin firmiert unter Le petit-fils de L.U. Chopard & Cie SA.

Verkaufsstellen: Chopard betreibt weltweit 79 Boutiquen.

Umsatz: Der konsolidierte Jahresumsatz 2004 wird mit 550 Millionen Schweizer Franken angegeben.
Die Geschäfte florieren im Grunde genommen seit 1958, als der damals 20-jährige Karl Scheufele - übrigens im Geburtsjahr seines Sohnes Karl-Friedrich - die Firma übernahm: konstantes Wachstum zwischen 5 und 10 Prozent jedes Jahr. Unerschütterlich.

Entspannt zurückgelehnt auf einem Stuhl im lichtdurchfluteten Konferenzraum der Manufaktur im Genfer Gewerbevorort Meyrin, hinter dem sich die 1600 Meter hohe Bergkette des Jura auftürmt, erzählt der 47-Jährige denn auch lieber von Erfolgen. Von den eigenen auch, sicher, vor allem aber von denen des Unternehmens, wobei er seine Rolle nicht sonderlich hervorhebt.

Der nicht eben große Mann mit den jungenhaften Gesichtszügen, das dunkle Haar akkurat gescheitelt, die gewitzten braunen Augen freundlich auf den Zuhörer gerichtet, er trägt seine Botschaften mit sanfter Stimme vor. Die zierlichen Hände, die ein schlichter goldener Ehering schmückt, unterstreichen die Worte mit knappen Gesten.

Scheufele ist weder der hemdsärmelige Unternehmertyp, wie es das schmier- und brennstoffgetränkte Tourenfahrer-Bild suggerieren möchte. Noch ist er der Glamourboy, der sich in der Welt der Schönen und der Reichen tummelt, wie es seine Schwester, Caroline Gruosi-Scheufele, so gern tut, zur Freude von Klatschblättern wie "Bunte" und "Gala".

"Der konsolidierte Umsatz von Chopard beträgt heute 550 Millionen Schweizer Franken", gibt KFS, so die Initialen auf der Hemdbrusttasche, preis. Das Familienkonglomerat ist einigermaßen komplex: "Es gibt eine Chopard-Holding in Genf. Diese besitzt alle Firmen der Gruppe, inklusive Chopard Deutschland, Italien, Frankreich. Dazu gehören auch die Manufakturen in Meyrin und Fleurier. Das einzige Unternehmen, das wir direkt halten, ist die Firma Karl Scheufele in Pforzheim."

Wir, das sind KFS und Schwester Caroline. Er ist zuständig für die Uhren, sie für den Schmuck. Dazu kommen Vater Karl, ein badischer Dickschädel, und Mutter Karin, eine grazile Dame, die beide sozusagen als stille Gesellschafter fern der Öffentlichkeit ihre Fäden ziehen.

Auf Familienfotos präsentieren sich die vier gern als Bilderbuchquartett in Festtagslaune. Grund zur Freude gibt es in vieler Hinsicht, zumal in finanzieller. "Das Vermögen der Familie Scheufele", teilte unlängst die "Neue Zürcher" mit, "wird auf eine bis anderthalb Milliarden Franken geschätzt."

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