Freitag, 14. Dezember 2018

Privatunis Kratzer auf dem Hochglanzlack

Private Hochschulen gelten als Kaderschmieden der Elite. Doch manche der feinen Lehranstalten können trotz hoher Gebühren ihre gemachten Versprechen nicht halten. Ihnen fehlt schlicht das Kapital.

Seit Ende September haben es die Absolventen der privaten Bucerius Law School in Hamburg schwarz auf weiß: Sie sind besser als ihre Kommilitonen an staatlichen Hochschulen. Im Staatsexamen erreichte der erste Jahrgang der vor fünf Jahren gegründeten Kaderschmiede durchschnittlich elf Punkte - auf der Bewertungsskala der Juristen eine Traumnote, denn der bundesweite Durchschnitt liegt nur bei etwa sechs Punkten.

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Während sich andernorts Jura-Abgänger auf eine ungewisse Zukunft vorbereiten, haben viele Bucerius-Absolventen bereits Anfragen internationaler Großkanzleien in der Tasche.

Für den Startvorsprung sind die jungen Paragrafenhelden allerdings gehörig in Vorleistung gegangen: 3000 Euro Gebühren pro Trimester kostet die Ausbildung an der Bucerius Law School, 36.000 Euro bis zum Staatsexamen. Das Wagnis der Pioniere scheint sich auszuzahlen: Ein Studium an der Law School gilt heute bereits als Gütesiegel.

Die Hamburger Absolventen gehören zu einer rasch wachsenden Minderheit von angehenden Akademikern, die bei der Auswahl der Alma Mater hohe Kosten in Kauf nehmen: Rund 45.000 Studenten - viermal mehr als vor zehn Jahren - sind an privaten nichtkonfessionellen Hochschulen eingeschrieben, das sind rund zwei Prozent der gesamten deutschen Studentenschaft.

Sie entscheiden sich für ein teures Studium in der Hoffnung, "das sich das Investment später einmal lohnt", sagt Udo Steffens, Vorstand des Verbandes der Privaten Hochschulen.

Nicht alle haben dabei ein so glückliches Händchen wie die Bucerius-Studenten. 54 private Hochschulen gibt es zurzeit in Deutschland, vor 15 Jahren waren es lediglich 18. Auf dem Markt tummeln sich zahlreiche Anbieter, die in ihren übertriebenen Verheißungen den einstigen Börsenstars der New Economy in nichts nachstehen.

Die Betreiber der vor zwei Jahren auf dem Papier gegründeten Hanseatic University in Rostock etwa lockten Interessenten mit dem Versprechen, man wolle "als allererste deutsche Privatuni" in Form einer Aktiengesellschaft Gewinne erzielen. Wer in die Hanse-Uni investiere, könne nicht nur Wertsteigerungen erwarten, die Hochschule werde auch den Kindern der Geldgeber "bei Eignung" die Tore öffnen. Zunächst sollten 130 Studenten beginnen, von 1000 binnen fünf Jahren war die Rede. Geplante Gebühren: 8000 Euro pro Semester.

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