Freitag, 14. Dezember 2018

Führungswechsel Gucci bei Burberry

Enttäuschung unter den Analysten macht sich breit: Rose Marie Bravo, die das Traditionslabel Burberry zu einer trendigen Marke machte, wird wohl im nächsten Jahr ihren Posten zur Verfügung stellen. Als ihr Nachfolger wird Brian Blake, Ex-Gucci-Manager und inzwischen geschäftsführender Direktor bei Burberry, gehandelt.

London - Bei Burberry bahnt sich ein Führungswechsel an. Rose Marie Bravo, seit acht Jahren Chefin des britischen Unternehmens BurberryBörsen-Chart zeigen, wird wohl mit Ablauf ihres Vertrages im Juli 2006 abtreten, wie die "Financial Times" in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet. Erwartet wird jedoch, dass Bravo dem Textilunternehmen möglicherweise noch als Präsidentin erhalten bleibt.

Rose Marie Bravo: Bei Burberry bahnt sich ein Führungswechsel an
Das Rennen um die Nachfolge beginnt damit ausgerechnet kurz bevor der Handelskonzern Great Universal Stores (GUS), der 1955 Burberry erwarb und 2002 einen Teil des Modehauses an die Börse brachte, sich im Dezember von seiner 66-Prozent-Beteiligung trennt. Eigentlich erwartet GUS Einnahmen von rund 1,4 Milliarden Pfund. Vielleicht wird es jetzt weniger, denn nach den Meldungen um Bravos Abschied fiel der Burberry-Kurs um über 3 Prozent.

Für ihren überraschenden Rückzug nennt die 54 Jahre alte Amerikanerin private Gründe. Als Nachfolger steht intern Brian Blake bereit. Den 48 Jahre alten Landsmann hatte Bravo im vergangenen Jahr als geschäftsführenden Direktor verpflichtet. Er steuerte mehr als 17 Jahre das Tagesgeschäft beim Branchenrivalen Gucci und gilt seit seinem Wechsel an die Themse als Kronprinz.

Blake tritt in London ein schweres Erbe an, denn der Erfolg von Burberry war stets eng mit der Person von Bravo verknüpft. Die Burberry-Chefin, die im Aufsichtsrat von Tiffany und Estee Lauder sitzt, hatte in den Jahren zuvor das Geschäft des New Yorker Luxuswarenhauses "Saks Fifth Avenue" erfolgreich auf Touren gebracht, bevor sie 1997 an die Spitze von Burberry wechselte. Im Gegensatz zu den Gepflogenheiten in der sonst so eitlen Modebranche hat Bravo mit Glanz und Glamour nichts am Hut. Stattdessen gilt die Managerin als harte Arbeiterin. Mit einem Jahresgehalt von 3,2 Millionen Euro zählt sie zu einer der bestbezahlten Frauen Großbritanniens, die mutige Entscheidungen wagt und Mitarbeiter auf gemeinsame Ziele einschwört.

Bravo entstaubte das Karo-Image

Das Berühmteste, was Burberry hervorgebracht hat, ist das grob karierte, beige unterlegte Plaid-Muster, das früher als Futterstoff in Mänteln versteckt wurde. Das Karo wurde nach außen gewendet, später in vielen Farben angeboten und dient Burberry immer noch als eine Art optisches Zugpferd für eine ganze Serie von Accessoires wie Taschen, Schals, Mützen, Schuhe, Bikinis und Unterwäsche.

Bravo schuf eigene Marken - zwar nicht unbedingt sofort als Burberry erkennbar - um neue Kunden anzusprechen und machte so mit einer langweilig gewordenen Regenmantelmarke Topmodehäusern wie Gucci oder Prada Konkurrenz. Das traditionell auf Männerbekleidung spezialisierte Haus bietet heute Damen-Kollektionen und ein volles Sortiment an Kinderkleidung an.

Dieser Erfolg ist auf das Gespür der Vorstands-Chefin zurückzuführen, die zunächst unrentable Fabriken schloss. Dann trimmte sie die in Großbritannien konzentrierte Produktion und Logistik auf Effizienz. Gleichzeitig straffte sie den Vertrieb und gewann die Hoheit über das weltweite Lizenzgeschäft von Burberry, indem sie Markenrechte zurückkaufte. Um den Geschmack von jungen, kaufkräftigen Zielgruppen zu treffen, nahm Bravo einschlägige Experten unter Vertrag. Frischte anfangs noch Edel-Designer Roberto Menichetti die Modelinien von Burberry auf, ist jetzt der vielfach ausgezeichnete Kreativdirektor Christopher Bailey für das breite Programm des Luxus-Labels verantwortlich.

Bravos gelungener Strategiewechsel machte sich auch für die Aktionäre und die 4000 Mitarbeiter bezahlt. Der Konzernumsatz wuchs zwischen 2001 und 2005 von 425 auf 716 Millionen Pfund. Gleichzeitig verdoppelte sich der Gewinn vor Steuern auf 164 Millionen Pfund (241 Millionen Euro).

© manager magazin 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH