Mittwoch, 19. Dezember 2018

Albert Berner Der ewige Zweite

Von der schwäbischen Provinz aus regieren sie wie Könige die Schraubenwelt. Hier Reinhold Würth, dort Albert Berner. Berner gebietet zwar seit jeher über ein kleineres Reich als der Altmeister, weiß aber mit schwäbischen Urtugenden seine Position zu festigen.

Künzelsau - Sie sind sich so nah und doch so weit entfernt. Gerade einmal vier Kilometer trennen die Schraubenkönige Deutschlands voneinander. Ein Katzensprung, möchte man meinen. Wäre da nicht dieser tiefe Graben, der sich auftut, vergleicht man die Größe der zwei schwäbischen Unternehmen: Gegenüber der Würth-Gruppe des Reinhold Würth wirkt die Berner-Gruppe des Albert Berner klein wie ein Dübel in einer großen Wand.

"Wir brauchen jetzt einen Brocken": Albert Berner, Eigentümer der Berner-Gruppe
Das war schon immer so, und nichts deutet darauf hin, dass sich dies ändert. Jede Zahl, die aus dem Würth-Reich dringt, ist ein Donnerschlag: 300 Gesellschaften in 80 Ländern, 47.000 Mitarbeiter, 6,2 Milliarden Euro Umsatz. Dagegen klingen die Kennziffern aus dem Hause Berner wie zaghaftes Klopfen: Der Hofstaat umfasst 6500 Angestellte, regiert wird in 17 Ländern Europas, der Umsatz erreichte zuletzt 685 Millionen Euro.

Die Diskrepanz ficht den David unter den Schraubenhändlern nicht an. Und von einem Konkurrenzkampf gar will Berner nichts wissen. "Bestehen gegen Würth ist kein Thema. Unser Hauptkonkurrent ist nicht Würth", sagt Berner im Gespräch mit manager-magazin.de, "sondern der Eisengroßhandel".

Die drei von der Schulbank

Die Parallelen der beiden Selfmademen, die längst nicht mehr nur drehendes Material handeln, sind indes frappierend. Schulkameraden waren sie einst, drückten vor 64 Jahren in ihrer Heimat namens Künzelsau mit dem dritten großen Unternehmer der Stadt, Gerhard Sturm vom Ventilatorenbauer EBM-Papst, gemeinsam die Schulbank. Dort, in Künzelsau, sind die drei seit jeher geblieben. Das Schrauben-Mekka liegt 50 Kilometer östlich von Heilbronn, eingebettet in die Hügel der nordschwäbischen Provinz. Großstädte wie Nürnberg oder Stuttgart sind einige Autostunden entfernt.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Die Wege der drei Unternehmerpersönlichkeiten waren eigentlich vorgezeichnet. Der eine sollte Pfarrer, der nächste Schulmeister und der Dritte Metzger werden. Doch es kam anders. Würth musste spontan - 18 Jahre alt - das Unternehmen seines Vaters übernehmen, nachdem dieser überraschend starb. Und Berner heuerte nach der Schule bei Würth als Lehrling an, den Wunsch nach Selbstständigkeit spürte er zunächst nicht.

Doch als Berner merkte, wie Würth an ihm vorbeizog, kam "jugendliche Eifersucht" auf, wie es der heute 70-jährige Patriarch formuliert. Grund genug, Abschied zu nehmen - er machte 1957 mit Auto und 3000 Mark eine eigene Schraubenhandlung auf. Die ersten Kunden des Künzelsauer Händlers waren Autowerkstätten, später kam das Bauhandwerk, heute der wichtigste Abnehmer, hinzu. Zwölf Jahre nach der Gründung wagt Berner den ersten Schritt ins Ausland, "Berner Belgien" wird eröffnet. Eine typische deutsche Gründergeschichte beginnt. Der Vorsprung des Rivalen Würth scheint zu dieser Zeit allerdings uneinholbar.

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