Mittwoch, 19. Dezember 2018

Familien Closs, Schnizler, Rauch Bohrende Zweifel

Ob Black & Decker oder Bosch: Gegen die dominierenden Werkzeughersteller wirkt Metabo wie ein Winzling. Um nicht im ruinösen Wettbewerb gehäckselt zu werden, vertraut das schwäbische Management vor allem auf eins: Kostensenkungen.

Nürtingen - Viel Glück hatte die Kleinstadt nicht mit ihren prominenten Vorzeigepersönlichkeiten: Der klassische Dichter Friedrich Hölderlin, der radikale Lyriker Eduard Mörike, der zeitgenössische Schriftsteller Peter Härtling, allesamt in Nürtingen aufgewachsen, brachen mit der Schwaben-Stadt, kehrten ihr enttäuscht den Rücken.

"Das Unternehmen sollte nicht verkauft werden":
Johannes Haupt, Geschäftsführer von Metabo
Es waren vor allem die biederen Verhältnisse, an denen die Dichter und Denker gelitten hatten. Härtling beispielsweise wurde - er kam nach dem Krieg als Flüchtling an - als rebellischer Schüler gebrandmarkt und von der Lehranstalt verbannt. Friedrich Hölderlin schrieb schier verzweifelt der Mutter: "Im Übrigen wundere ich mich, dass sie das fatale Nürtingen noch nicht ganz verlassen haben".

Eine länger andauernde Treue hält der Stadt ein Familienunternehmen mit dem wohlklingenden Namen Metabo. Gegründet im Jahr 1924, ist der Elektrowerkzeugbauer seit langem der größte Arbeitgeber der Stadt, die sich 20 Kilometer südöstlich von Stuttgart auf der Schwäbischen Alb erhebt. Die Idee zu dem Start-up hatten - mitten in der Wirtschaftskrise - der Bäckersohn Albrecht Schnizler und ein gewisser Julius Closs; sie gründeten zuerst die Schnizler GmbH.

Wenig später trat der Verkäufer Walter Rauch dem Gesellschafterkreis bei, 1929 wurde das Unternehmen in Metabowerke umgewandelt. Der Name entstand aus dem damals üblichen Begriff für Handbohrmaschinen: Metallbohrdreher.

Nürtingen und Metabo: Eine Beziehung, stabil wie ein hochwertiger Stahlbohrer? Eine Beziehung, die weitere 81 Jahre hält?

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

Wer sind die Unternehmer im Lande? Wie haben sie ihre Firmen zum Erfolg geführt? Unter dem Titel "Deutschland, deine Unternehmer" stellt manager-magazin.de die Gestalter unserer Wirtschaft vor. Alle bereits erschienenen Porträts
Zweifel sind angebracht. Erst vergangenen Sommer trieben Spekulationen Blüten, dass der alteingesessene Maschinenbauer mit dem Sortiment von Akkubohrern über Stichsägen bis zu Winkelschleifern aufgekauft werde und damit der Stammsitz womöglich aufgelöst worden wäre. Prompt herrschte unter den 2000 am Hauptstandort arbeitenden Mitarbeitern helle Aufregung, die sich nur langsam legte. Metabo-Chef Johannes Haupt (44) wiegelt heute bei entsprechenden Fragen ab. "Das Unternehmen sollte nicht verkauft werden", formuliert er im Gespräch mit manager-magazin.de, "es gab nur eine ergebnisoffene Untersuchung mit drei Optionen, von denen eine der Verkauf war".

© manager magazin 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH