Freitag, 16. November 2018

Familien Closs, Schnizler, Rauch Bohrende Zweifel

2. Teil: Weit abgeschlagen hinter Werkzeuggiganten

Umsatzrendite von 5 Prozent nicht in Sicht

Haupt ist vorsichtig wie ein Diplomat. Kein Wunder, gehört er doch nicht dem Eigentümerkreis an, sondern ist nur Herrscher von dreier Familien Gnaden. Denn nach wie vor ist das Industrieunternehmen in vollständigem Besitz der drei öffentlichkeitsscheuen Gründungsclans. Gleichwohl dirigiert das Sippen-Triumvirat nur noch aus zweiter Linie. Mitte der 90er Jahre hatten die Gesellschafter den Rückzug in den Aufsichtsrat angetreten. Als "eine schwierige Phase" bezeichnet Geschäftsführer Haupt die Zäsur, zu weiteren Details gibt er sich einsilbig.

Auf der Schwäbischen Alb:
Zentrale von Metabo in Nürtingen
Von schwäbischer Gelassenheit kann seit Jahren bei Metabo keine Rede sein. So ging schon dem stürmischen Sommer 2004 ein atmosphärisch frostiger Winter 2003/2004 voraus. Vor allem für die Angestellten. Der Prämienlohn wurde auf Akkordlohn umgestellt, die "Steinkühler-Pause" abgeschafft - und das Gehalt um 250 bis 400 Euro brutto monatlich gekürzt. Die harten Einschnitte waren aus Sicht der Geschäftsführung nötig, um auf den "sehr aggressiv und extrem über den Preis geführten Wettbewerb" reagieren zu können.

"Der Markt der Elektrowerkzeuge ist seit 20 Jahren in einer extremen Konzentrationsphase", klagt Metabo-Chef Haupt. Das lässt sich auch leicht an der Umsatzstatistik Metabos ablesen. Seit 2000 zeigt die Kurve tendenziell nach unten. 2004 erwirtschaftet das Unternehmen 365 Millionen Euro und peilt für dieses Jahr 370 Millionen Euro an. Mit Informationen zur Ertragslage geizt Haupt. "Wir schreiben schwarze Zahlen, erreichen momentan die angestrebte Umsatzrendite von 5 Prozent jedoch nicht", lässt er sich nur entlocken.

Mit 620 Watt in die Wand:
Bohrmaschine von Metabo
Metabo ist in der Branche der Werkzeugbauer ein Winzling - und könnte allein deswegen im Kampf der Großen leicht zu Kleinholz verarbeitet werden. Auch wenn Haupt bemüht ist, die Größe zu relativieren. "Unser Marktanteil beläuft sich in Deutschland über alle Distributionsschienen auf etwa 20 Prozent. In Europa ist er kleiner, aber deutlich zweistellig." Der schwäbische Nachbar Bosch schlägt Metabo auch auf diesem Feld. "Wir haben in Deutschland den größten Marktanteil, in Baumärkten: nahezu 40 Prozent, im Fachhandel: 33 Prozent", hieß es auf Nachfrage von Bosch.

Abseits der Marktanteile sprechen auch die Umsätze eine deutliche Sprache: Weltmarktführer Black & Decker Börsen-Chart zeigen erwirtschaftet 7 Milliarden Euro, Bosch 2,5 und der Dritte im Bunde, die Technotronik-Industrie-Gruppe (TTI) aus Hongkong, 1,4 Milliarden Euro.

Weit abgeschlagen werkelt Metabo, erreicht nur ein Viertel der Größe des Weltranglistendritten - und muss sich deswegen weiter stählen, um den Giganten zu trotzen. Besagtes Kostensenkungsprogramm aus Anfang 2004 reicht mittlerweile nicht mehr aus. Geschäftsführer Haupt sieht dringenden Handlungsbedarf und verweist in erster Linie auf den gestiegenen Dollar-Kurs und Rohstoffpreise.

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