Freitag, 2. Dezember 2016

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Management Wenn zu viel Mitsprache schadet

Wenn wichtige Entscheidungen sich verzögern, hat dies einer Umfrage zufolge vor allem mit der Anzahl der Beteiligten zu tun. Eines der weiteren Ergebnisse: Ein Fünftel der Manager gab an, seine Entscheidungen meist spontan aus dem Bauch heraus zu treffen.

Überlingen - Zu viele Köche verderben den Brei - dieses Sprichwort gilt nach einer Umfrage auch in den Führungsetagen vieler deutscher Unternehmen. Die Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft veröffentlichte eine Studie, wonach Verzögerungen bei wichtigen Firmenbeschlüssen hauptsächlich darauf zurückgeführt werden, dass zu viele mitreden. Angeschrieben hatte die Akademie 2000 Manager verschiedener Branchen und Unternehmensgrößen, 560 von ihnen beteiligten sich an der schriftlichen Umfrage.

Die Zeit drängt, doch die Entscheidung wird nicht getroffen: Ursache ist nach einer Studie häufig die Anzahl der beteiligten Personen
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Die Zeit drängt, doch die Entscheidung wird nicht getroffen: Ursache ist nach einer Studie häufig die Anzahl der beteiligten Personen
Insgesamt gaben 83,6 Prozent der Befragten an, dass Beschlüsse vor allem dann blockiert oder sogar verhindert werden, wenn daran zu viele Personen beteiligt sind. 76,4 Prozent machten Macht- und Interessenkonflikte dafür verantwortlich, dass nicht die beste Entscheidung getroffen wird. 72,9 Prozent bemängelten, dass Entscheidungen nicht oder zu wenig kommuniziert werden. Etwas mehr als ein Viertel sah die Ursache von Fehlentscheidungen oder Entscheidungsblockaden in einer Unternehmenskultur, die keine Fehler zulässt.

Als externe Einflussfaktoren wurden unter anderem die Rechtslage oder häufige Personalwechsel genannt. Jeder fünfte Manager gab an, seine Entscheidungen meistens spontan aus dem Bauch heraus zu treffen. Die große Mehrheit fällt nach der Umfrage Beschlüsse - wenig verwunderlich - auf der Grundlage von Daten und Berichten.

"Wir entscheiden gemeinsam"

Gleichsam stehen deutschen Führungskräften nach eigenen Angaben genügend Raum und Befugnis zu, Entscheidungen zu treffen. 65,7 Prozent geben an, dass der Entscheidungsspielraum, der ihnen bei der Arbeit zur Verfügung steht, angemessen sei, um richtig entscheiden und "einen guten Job" machen zu können. 10,6 Prozent räumen sogar ein, dass dieser Rahmen größer als nötig sei. Nur 23,7 Prozent glauben, dass der Entscheidungsspielraum zu klein sei.

Die Führungskräfte fühlen sich nicht nur uneingeschränkt und frei in ihren Entscheidungen, sie beziehen auch gern und bereitwillig ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Entscheidungsprozesse ein - wenn man ihren Aussagen Glauben schenken will. 99,6 Prozent aller befragten Führungskräfte mit Personalverantwortung sagen, dass ihnen die Einbeziehung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Entscheidungsprozesse wichtig sei.

Doch auch wenn Führungskräfte selbst Personalverantwortung tragen, sind sie meist wiederum einer Person unterstellt. Von den insgesamt 560 Teilnehmern der Umfrage waren dies 522. Dieser Personenkreis wurde außerdem befragt, "wie sehr fühlen Sie sich von Ihrer Führungskraft in Entscheidungsprozesse, die Ihren Arbeitsalltag betreffen, eingebunden?" Das Ergebnis: Nur 6,5 Prozent beklagen, in die Entscheidungsprozesse gar nicht eingebunden zu sein. Die große Mehrheit von 62,0 Prozent sagt: "Ja, ich bin eingebunden. Meine Argumente werden von der Führungskraft berücksichtigt." 31,5 Prozent sind noch zufriedener und geben zu Protokoll: "Wir entscheiden gemeinsam."

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