Freitag, 14. Dezember 2018

Familie Haniel XXL-Händler von der Ruhr

4. Teil: Das Nebenprodukt der Jugendtreffen

Einstieg in die Medienindustrie? Lieber nicht!

Mit dem Personalwechsel von Haeften zu Franz Markus Haniel läutete die Familie den Generationswechsel ein. "Man traut Haniel zu, dass er die Jüngeren führen kann", sagt ein Aufsichtsrat. In der Kontroll- und Strategietätigkeit muss sich der diplomierte Ingenieur und MBA-Geschulte nichtsdestotrotz mit den mächtigen Altgranden arrangieren. Was sich hinter den Türen der Beiratstreffen und des "Kleinen Kreises", dem eigentlichen Machtzentrum, abspielt, dringt so häufig an die Öffentlichkeit wie die privaten Reiseziele der Aldi-Albrechts.

Schiller-, und Goethedenkmal in Weimar: Eine der vielen gutherzigen Spenden der Haniels
Frei von eventuellen Meinungsverschiedenheiten artikuliert der exklusive Zirkel seine Vorhaben dann im Aufsichtsrat. "Dort herrscht große Offenheit und Respekt voreinander", sagt Aufseher und Nichtfamilienmitglied Herzberg. Richtungskämpfe habe er seit Beginn seiner Kontrolltätigkeit im Jahre 1983 nicht erlebt.

Die Entwicklung ihrer Investments verfolgt der Clan detailgenau. Aus dem Rehabilitationsbereich stiegen sie aus und sogar als die Geschäfte der Metro kränkelten, wurden Stimmen laut, die Beteiligung zu verkaufen. Heute ist dies kein Thema mehr. Alternativ dachten die millionenschweren Erben über einen Einstieg in die Medienindustrie nach - und verwarfen diesen Gedanken schnell. "Davon verstehen wir nichts", lautete die überzeugende Erklärung.

Gründer Franz Haniel: Tabak- und Teehandel statt Pharma und Büroausstattung
Ein durchaus sicherheitsbewusstes Denken kennzeichnet den Clan zudem. So wurde in den 50er Jahren in den USA eine Holding aufgebaut als Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg, der viele ihrer Geschäfte vernichtete. Im erneuten Kriegsfall wäre ihr gesamtes Vermögen kurzfristig nach Amerika transferiert worden. Als der Eiserne Vorhang fiel wurde die Holding wieder aufgelöst.

Und heute? Derzeit sinnieren die Erben darüber, wie ihre 58-Prozent-Beteiligung am Apothekenbetreiber und Pharmagroßhändler Celesio, ehemals Gehe, weiter wachsen kann. Innerdeutsch sieht es mau aus. Und im Ausland sind Apotheken häufig anteilig im Besitz von Kommunen, womit Haniels Einfluss beschränkt ist. Das unbefriedigende Wachstum der Waschraumhygiene bereitet ebenfalls Kopfzerbrechen. In Frankreich gebe es einen interessanten Wettbewerber, der sei aber zu teuer. Immerhin: Bei ELG, also denen, die mit Recycling und Rohstoffhandel von Edelstahl ihr Geld verdienen, ist die noch stärkere Expansion nach Osten gerade im Aufsichtsrat beschlossen worden.

Mit derlei millionenschweren und kniffeligen Entscheidungen müssen sich die jüngeren Generationen nicht herumplagen - noch nicht. Um ihr Gespür für kaufmännisches Denken zu wecken, und ihnen "Haniel-Spirit" einzuhauchen, veranstaltet die Holding alle zwei Jahre ein Jugendtreffen - ähnlich wie bei anderen Sippen. Für die Haniels hört dabei das Jugendalter per Definition bei 40 auf. Nicht explizit gewünscht, aber durchaus willkommen ist das Nebenprodukt dieser exquisiten Runden: Die Heirat zwischen den jungen Hüpfern der verschiedenen Familienzweige.

So sichert man den Bestand eines Mischkonzerns.

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