Donnerstag, 15. November 2018

Familie Neven DuMont Ein Sensibler hinter reißerischen Schlagzeilen

Er predigt den gelegentlichen Müßiggang und behandelt seine Mitarbeiter nicht als Ware. Und so jemand soll den großen Zeitungsverlag DuMont Schauberg aus der Krise steuern? Konstantin Neven DuMont ist es gelungen. Schon bläst der Verlagserbe zum Angriff auf lukrative Übernahmeobjekte im deutschen Blätterwald.

In Köln führt publizistisch kaum ein Weg an der Familie Neven DuMont vorbei. Selbst der krakenartige Griff des Axel Springer Verlags Börsen-Chart zeigen samt seiner "Bild"-Zeitung konnte an der Vormachtstellung wenig ändern.

 "Wir sind immer mit der Zeit gegangen": Verlagserbe Konstantin Neven DuMont
Stefan Worring
"Wir sind immer mit der Zeit gegangen": Verlagserbe Konstantin Neven DuMont
Ein Blick auf die Auflagenzahlen genügt. Vom Boulevardblatt "Express" über die Abonnementzeitungen "Kölner Stadt-Anzeiger" und "Kölner Rundschau" bis hin zum Gros der Anzeigenblätter reicht das verlegerische Angebot von DuMont Schauberg. Alle Tageszeitungen bringen es zusammen auf eine verkaufte Auflage von gut 600.000 Exemplaren.

Keine Frage, der viertgrößte Zeitungsverlag Deutschlands dominiert die Rheinmetropole. Die Macht des Fast-Monopolisten ist kein Produkt der Neuzeit. Und doch wehrt die Familie jede Mystifizierungsdiskussion ab. "Es grenzt an ein Wunder, dass wir so lange schon existieren", gibt sich Konstantin Neven DuMont (35) im Gespräch mit manager-magazin.de bescheiden. Er ist Sprecher der Geschäftsführung des Unternehmensbereichs Köln, der wichtigsten Sparte.

 Glas als Transparenzzeichen: Verlagsgebäude in Köln  Und wieder rollen Zeitungen vom Band: Druckerei von DuMont Schauberg  Druckplatte wird eingelegt: Druckerei von DuMont Schauberg  Hat das Zeitungsexemplar das Qualitätsniveau erreicht? Ein Mitarbeiter in der Qualitätskontrolle

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Es war 1802, als die Erben der Kölner Druckereifamilie Schauberg und Nicolaus DuMont, Sohn eines Tabakfabrikanten und ehedem Kölner Bürgermeister, gemeinsam die "Kölnische Zeitung" gründeten. 1805 gab Nicolaus seinen Anteil zurück und sein Neffe Marcus kaufte die Zeitung ganz. Dieser ehelichte kurz darauf Katharina Schauberg und gründete M. DuMont Schauberg. Ein Wahrzeichen der Stadt war geboren, vergleichbar mit Dom und Karneval.

[M] DDP; DPA; mm.de
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Konstantin Neven DuMont ist prominentes Aushängeschild der zwölften Familiengeneration. Sein Vater, Alfred Neven DuMont (77), führt seit 15 Jahren den Aufsichtsrat. Der Patriarch und Übervater lebt hauptsächlich im Ausland und hat dort sein Faible fürs Romanschreiben entdeckt. Außer Konstantin ist noch Christian DuMont Schütte von der Familie operativ im Dinosaurier der deutschen Verlage tätig. Der studierte Jurist ist der Sohn von Dieter Schütte, der wiederum in den Neven DuMont-Clan einheiratete. Der Junior, mittlerweile 48 Jahre alt, leitet den Unternehmensbereich Beteiligungen.

Zwei Kronprinzen also, die das Erbe von Alfred Neven DuMont eines Tages antreten könnten. Der allmächtige Vater hat mit dem Wechsel in den Aufsichtsrat weise eine neutrale Instanz zwischen den Vertretern der zwei Familienstämme installiert. Der Sprecher der Geschäftsführung ist seit 2002 der familienfremde Manager Heinz Kiegeland. So ist die Parität zwischen den Lagern gewährleistet.

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