Freitag, 16. November 2018

Familie Weiss Wanderer zwischen Welten

Einfach nur Karriere als Familienunternehmer zu machen, das reichte Heinrich Weiss nicht. Der agile Manager versuchte sich als BDI-Präsident, als Chef des CDU-Wirtschaftsrates und als Rennfahrer. Heute konzentiert sich Weiss wieder auf das Stammgeschäft und versteht es, mit Stahlwerken Geld zu verdienen.

Düsseldorf - Treppe runter, Eingangstür auf - und dann sind es noch 20 Meter bis zu den Kleingärtnern. Für Heinrich Weiss, Großaktionär des Industrieunternehmens SMS, ist es nur ein kurzer Weg in die Provinz, zum Kartoffelanbau und zum Wienern von Gartenzwergen.

Chef der SMS Gruppe:
Heinrich Weiss
Vis-à-vis von den Schrebergärtnern erhebt sich die Zentrale seiner Unternehmensgruppe, die wie ein verschnörkeltes Miniatur-Messezentrum aussieht. Ganz im Gegensatz zu den nahen Kleingärten versprüht das Gebilde mehr als nur einen Hauch von Internationalität. Schon die drei Flaggen - neben der deutschen ist jeweils Platz für zwei weitere Länder, aus denen Besucher gerade zu Gast sind - zeigen an, dass der Düsseldorfer Konzern seine Geschäfte nicht nur in Deutschland tätigt. Und siehe da, in der Eingangshalle werden gerade indische und chinesische Delegationen begrüßt.

Fünf Etagen höher fährt Unternehmenschef Weiss in diesem Moment mit dem Finger eine Liste hinunter. Er hat sich die Frage gestellt, wie viele große Industrieunternehmen in Familienbesitz eigentlich noch von einem Familienmitglied geführt werden. Die Prüfung dauert seine Zeit. Die Antwort kommt dafür umso triumphierender: Neben dem Stahlanlagenbauer SMS trifft dieses Merkmal nur auf vier weitere Unternehmen zu - mit einem Jahresumsatz von mehr als zwei Milliarden Euro.

 Hochofenabstich beim Unternehmen CST in Vitoria/Brasilien  Zweistrang-Brammengießanlage in einem Hüttenwerk von Krupp in Duisburg  Fünfstrang-Convex Gießanlage der SMS-Gruppe
 Hochofenanlage: bei der EKO Stahl in Eisenhüttenstadt im Einsatz  Flüssigstahl wird in einem Elektroofen chargiert: Einsatz im Edelstahlwerk von Shanghai Baosteel  Quatro-Kaltwalzanlage für Alumiminiumbänder im Unternehmen von Hydro Aluminium in Norwegen im Einsatz

Heiße Geschäfte
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Weiss lehnt sich zurück, nimmt seine randlose Brille ab und genießt. Ein Moment des Innehaltens, der Besinnung. Die Botschaft wird deutlich: Die Familie hat Durchhaltevermögen bewiesen und zusammengehalten - trotz der internationalen Konkurrenz. Sein eigenes Dazutun formuliert der Patriarch in seiner Fähigkeit, sein Handeln immer wieder in Frage zu stellen.

[M] DDP; DPA; mm.de
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Wer sind die Unternehmer im Lande? Wie haben sie ihre Firmen zum Erfolg geführt? Unter dem Titel "Deutschland, deine Unternehmer" stellt manager-magazin.de die Gestalter unserer Wirtschaft vor. Alle bereits erschienenen Porträts
"Viele Eigentümerunternehmer zerstören noch in den letzten Jahren ihr Lebenswerk, welches sie vorher über Jahrzehnte aufgebaut haben, weil sie immer im eigenen Saft schmoren und sich nicht mehr den veränderten Zeiten angepasst haben", sagt der 63-Jährige im Gespräch mit manager-magazin.de. So fällt die Antwort auf die Frage auch leicht, warum er in immerhin sieben Aufsichtsräten sitzt. Eine ungewöhnliche hohe Zahl für einen Familienunternehmer.

Familienunternehmen - so bezeichnet sich SMS, das in der Holding die Aktivitäten der Gruppe bündelt. In vollster Reinheit passt dieses Merkmal allerdings nicht. Zwar hat Weiss erst 2003 25 Prozent der Anteile an seinem Unternehmen vom Dax-Konzern MAN Börsen-Chart zeigen zurückgekauft - immer noch hält Siemens Börsen-Chart zeigen ebenfalls 25 Prozent. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Weiss wieder in Alleinregie regieren darf, vergehen noch bis zu zwei Jahre. Spätestens 2007 will Weiss die restlichen Prozente kaufen, eigenfinanziert versteht sich.

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