Montag, 10. Dezember 2018

Las Vegas Kampf der Giganten

Das Geld der Mafia hat Las Vegas groß gemacht. Doch die goldenen Zeiten der Gangster sind längst vorüber. Heute regieren Milliardäre und Investmentbanker die Zockermetropole. Angenehmer ist der Umgangston deswegen nicht geworden. Kerkorian und Co. liefern sich milliardenschwere Übernahmeschlachten.

Hamburg - Gäbe es einen Club der Bosse von Las Vegas: Gary Loveman wäre dort ein Unikum. Der Chef des derzeit weltgrößten Casino-Konzerns Harrah's hat sich sein Wissen nicht am Roulettetisch erarbeitet, sondern war unter anderem Professor an der Harvard Business School.

Casino-Metropole Las Vegas: Glücksspiel als Form des Einzelhandels
Der Top-Manager mit den weichen Gesichtszügen und einer Vorliebe für graugestreifte Anzüge residiert bei seinen Aufenthalten in der Stadt bescheiden in einer kleinen Suite. Glücksspiel interpretiert er als eine Form des Einzelhandels.

Harrah's-Chef Loveman repräsentiert den Wandel in Vegas. Zusehendes haben Aktionäre, Investmentbanker und Analysten in der Wüstenmetropole das Sagen. Endgültig vorbei scheint die Zeit, da Las Vegas der Brückenkopf der Mafia in die legale Geschäftswelt war.

Gangster als Geldgeber

Dabei hätte der Aufstieg zur Casino-Welthauptstadt ohne die organisierte Kriminalität nicht stattgefunden. Schon Anfang der Dreißiger sorgte Gangsterlegende Al Capone mit dafür, dass das Glücksspiel in Nevada legalisiert wurde. Frank Detra, einer der ersten Nachtclub-Betreiber in dem Wüstenkaff, verteilte in seinem Auftrag fleißig Schmiergeld. Mit Erfolg, 1931 hob die Regierung des Bundesstaates das Roulette-Verbot auf.

"Bugsy" Siegel: Traum vom Flamingo
Das Engagement der Mafia etablierte sich in den folgenden drei Dekaden als gängiges Geschäftsmodell in Las Vegas. Niemand sonst wollte Kapital für das anrüchige Spielhallenbusiness bereitstellen. Banken waren sich dafür meist zu fein. Die Gangs aus Chicago, Cleveland und New York dagegen suchten eine Möglichkeit, die Gewinne aus Schwarzbrennerei und anderen finsteren Aktivitäten zu investieren. Las Vegas avancierte zur Geldwaschmaschine der Syndikate.

Mitte der Vierziger begnügte sich der Mob nicht mehr damit, Casino-Betreiber zu protegieren. Die Banden übernahmen die vollständige Kontrolle über die Spieltische. Vorreiter war der New Yorker Gangster Benjamin "Bugsy" Siegel. Siegel, der zuvor die Ostküste und Los Angeles terrorisiert hatte, sammelte eine Million Dollar bei seinen Kollegen ein, um eine Luxusherberge namens Flamingo in den Wüstensand zu setzen. Weil die Kosten bald auf sechs Millionen Dollar anschwollen, beendete seine Gläubiger die Geschäftsbeziehung auf ihre Weise. Siegel wurde im Juni 1947 in seiner Wohnung in Beverly Hills erschossen. Das Flamingo fiel in die Hände der Mafia und bescherte den Bossen wenig später enorme Gewinne.

Begeistert von dem Erfolg nisteten sich die Gangs in der Stadt ein und eröffneten weitere Hotels. Die Behörden schauten dem Treiben lange zu. Erst Anfang der Sechziger änderte sich die Stimmung. Las Vegas steckte in einer Krise. Die Anwesenheit der Gangster schreckte Investoren ab. Die Regierung erhöhte den Druck und verweigerte Akteuren mit Mafia-Kontakten die Casino-Lizenz. Die Situation war vertrackt.

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