Montag, 10. Dezember 2018

Familie Viehof Das flexible Brüder-Quartett

Als Eugen Viehof 1998 sein Lebenswerk, die Allkauf-Gruppe, an die Metro verkaufte, standen seine vier Söhne vor der Entscheidung: Was tun mit dem Erlös in Milliardenhöhe? Im Gespräch mit manager-magazin.de berichten sie, wie sich seitdem ihre Investments entwickelt haben.

Hamburg - Was haben der Fahrrad-Filialist B.O.C, die Indoor-Ski-Halle im rheinländischen Neuss und eine Charterfluggesellschaft für Geschäftsreisende miteinander zu tun? Das bunte Ensemble gehört der Unternehmerfamilie Viehof aus dem rheinischen Mönchengladbach. Viehof? Da war doch was.

Zusammen sind wir stark: Eugen Viehof junior
Sieben Jahre sind ins Land gegangen, als der rheinländische Clan in der überregionalen Presse kurz auf - und schnell wieder -abtauchte. Eugen Viehof senior, heute rüstige 89 Jahre alt, hatte 1998 seine Allkauf-Gruppe an den Einzelhandelsriesen Metro Börsen-Chart zeigen verkauft. Wenn die Viehofs eine Familienchronik schrieben, sie müssten das Jahr als Zäsur vermerken.

Der Familienpatriarch hatte 1962 mit seinem Schwager Gerhard Ackermanns Selgros gegründet - die Keimzelle für Allkauf. 110 SB-Warenhäuser vorwiegend in Nordrhein-Westfalen und im Osten der Republik, dazu 150 Reisebüros sowie 90 Fotofachgeschäfte von Franchise-Nehmern und schließlich die auf Fertighäuser spezialisierte Firma Allkauf Haus gehörte später in das Konzerngebilde. Über 12.000 Mitarbeiternamen standen auf den Lohnlisten, der Umsatz stieg auf rund fünf Milliarden Mark. Allkauf war in der Gesamtheit alles andere als ein Zwerg.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

Wer sind die Unternehmer im Lande? Wie haben sie ihre Firmen zum Erfolg geführt? Unter dem Titel "Deutschland, deine Unternehmer" stellt manager-magazin.de die Gestalter unserer Wirtschaft vor. Alle bereits erschienenen Porträts
Doch jede Sparte für sich konnte gegen die Großen ihrer Branche auf Dauer nicht bestehen. Einige Jahre hatten die Viehofs noch den Giganten wie Wal Mart oder Aldi zu trotzen versucht. Doch die Margen im Lebensmitteleinzelhandel schmolzen dahin wie Eis in der Sonne. Wer seine Gewinne steigern wollte, musste konsequent auf Wachstum setzen, denn nur die "Big Player" handelten bei den Lieferanten lukrative Konditionen aus.

Da half es auch wenig, dass SB-Pionier Viehof nach dem Mauerfall als einer der Ersten in die neuen Bundesländer expandierte, Sparsamkeit zum konzerninternen Gebot erhob und seinem langjährigen Weggefährten Ackermanns dessen Allkauf-Anteile abkaufte - für rund 700 Millionen Mark. Als schließlich die Übernahme der "Wertkauf"-Gruppe scheiterte - gegen das Angebot des Wal-Mart-Imperiums, das damals nach Europa drängte, war kein Kraut gewachsen - standen die Viehofs - Vater Viehof und seine vier Söhne Eugen junior, Klaus, Michael und Bernd - am Scheideweg.

© manager magazin 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH