Mittwoch, 16. Januar 2019

RTL Hundert Tage Einsamkeit

Nach nur dreieinhalb Monaten trennt sich der Kölner Privatsender von seinem Geschäftsführer Marc Conrad. Offizielle Gründe wurden nicht genannt. Aus gut informierten Kreisen hieß es aber, dem Sender fehle ein schlüssiges Konzept. Neuer RTL-Chef wird Gerhard Zeiler, Conrads Vorgänger und Lenker der RTL-Group.

Hamburg/Köln - RTL trennt sich von seinem Chef Marc Conrad. Dessen Posten übernimmt der Chef der RTL-Group in Luxemburg, Gerhard Zeiler. Das teilte der Kölner Privatsender am Donnerstag mit. Über die Hintergründe wurde offiziell nichts mitgeteilt.

Abgang nach Monaten: RTL-Chef Marc Conrad
Zeilers Stellvertreterin bei RTL wird Vox-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt. Der 42-jährigen Managerin werden laut RTL künftig die Direktionen Finanzen, Technik, Information und Medienpolitik, das Generalsekretariat, die Vermarktungsorganisation IP sowie die Vox- Geschäftsführung unterstehen. Weiter soll sie für die Beteiligungen der RTL Group an den Sendern N-TV und Super RTL verantwortlich sein.

Conrad werde nun wieder selbstständiger Film- und Fernsehproduzent, hieß es weiter. "Marc Conrad ist ein herausragender Fernsehmacher und Kreativer", sagte Zeiler. "Ich danke ihm für die vielfältigen Anregungen in den vergangenen drei Monaten. Dass wir beschlossen haben, die Zusammenarbeit in der bestehenden Form nicht fortzuführen, bedeutet nicht, dass wir nicht auch künftig zusammenarbeiten werden."

Fehlende Konzepte?

Aus gut informierten Kreisen verlautete am Donnerstag, dass bei Conrad Konzepte vermisst wurden, die den privaten deutschen Marktführer hätten nach vorne bringen können. Conrad hatte sich lange mit Äußerungen über seine Vorstellungen zum Programm des Senders zurückgehalten und erst in dieser Woche in einem Interview Andeutungen zur weiteren Zukunft gemacht. Vor allem von Seiten der werbetreibenden Industrie, hieß es, sei über fehlende Impulse geklagt worden.

Conrad war bereits bis 1998 unter dem damaligen Geschäftsführer Helmut Thoma als Programmdirektor für RTL tätig gewesen. In dieser Phase galt er als "knallharter" Programmmacher mit dem Riecher für die richtigen Formate. Danach machte er sich mit seiner Produktionsfirma Typhoon Networks AG selbstständig, die unter anderem für RTL die Serie "Abschnitt 40" produziert und die Comedy "Freitag Nacht News".

Anke Schäferkordt, die früher bei Bertelsmann in verschiedenen kaufmännischen Funktionen arbeitete, ist seit 1999 Geschäftsführerin beim Kölner Privatsender Vox. Ihr wird im Gütersloher Medienkonzern hoch angerechnet, dass sie dem einstigen Problemkind der RTL-Senderfamilie mit einem geschickten Mix aus US- Lizenzware und Eigenproduktionen Profil verlieh und den Sender in die Gewinnzone führte.

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