Donnerstag, 21. September 2017

Geheimbünde in Cambridge Das illustre Dutzend

US-Präsident George W. Bush gehörte als Student den Heimlichtuern ebenso an wie sein Herausforderer John F. Kerry. Die Tradition des Geheimbundes kommt indes aus Großbritannien. In Cambridge schließen sich die schlauesten Köpfe in einem Zwölferbund zusammen - und spionierten schon mal das eigene Vaterland aus.

Cambridge - Wie nebenbei fällt ein Zitat aus Ovids "Metamorphosen" oder von Spinoza, unauffällig wird das Gespräch auf historische Ereignisse in der britischen Rechtsprechung gelenkt.

  Heimlich, heimlich:  Kings' College in Cambridge
Benedikt Mandl
Heimlich, heimlich: Kings' College in Cambridge
Die jungen Studenten nehmen die Köder bereitwillig an, kommentieren die Einwürfe, verlieren sich über Portwein und Sherry in angeregten Gesprächen. Und ahnen dabei gar nicht, worum es sich bei der vermeintlichen Dinnerparty in einem Kellergewölbe in Cambridge eigentlich handelt: um eine Aufnahmeprüfung.

Unauffällig prüfen ältere Herren die Allgemeinbildung der geladenen "Undergraduates", testen, ob sie belesen genug sind für die Aufnahme in einen der exklusivsten und zugleich geheimsten Clubs der englischen Eliteuniversität: den "Cambridge Apostles".

Die jungen Prüflinge werden im Jargon der Apostel "Embryos" genannt. Dass sie für eine Aufnahme in Erwägung gezogen werden, merken sie zunächst nicht. Nur die Klügsten unter ihnen werden später eingeweiht und in langen Zeremonien zu Vollmitgliedern gemacht werden.

Wal auf Toast

Gegründet wurden die Apostel 1820 von George Tomlinson, dem späteren Bischof von Gibraltar, um die zwölf begabtesten Studenten der Universität Cambridge nach dem Vorbild einer Freimaurerloge zu verbinden.

Die Geheimgesellschaft ist traditionell um die Colleges King's und Trinity konzentriert. Ihre Aktivitäten bestehen vor allem aus wöchentlichen Treffen an wechselnden Orten, bei denen ein Mitglied zu einem beliebigen Thema einen Vortrag hält und im Anschluss daran die Diskussion leitet.

Der Inhalt der Beiträge unterliegt keinerlei Einschränkungen - weder moralische noch juristische oder ideologische Bedenken sollen die Freiheit des Vortrages behindern. Während der Treffen wird Toast mit Sardinen gegessen, unter Aposteln als "Wale" bezeichnet. Ein Schriftführer protokolliert den Abend in demselben ledergebundenen Notizbuch, das schon seit der Gründung der Apostel dafür verwendet wird.

Solche Riten werden von vielen angehenden Akademikern als schrullig belächelt. Doch die Apostel sind weit mächtiger als ein bloßer Konversationsklub - im Kalten Krieg standen sie plötzlich im Rampenlicht der Weltpolitik.

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