Donnerstag, 15. November 2018

Familie Wirtz Resistent gegen alle Krisen

Sie werben mit wild gewordenen Torhütern für Rasierwasser, beliefern Aldi & Co. mit billigem Waschmittel und helfen der Jugend zu verhüten. Die Industriellenfamilie Wirtz aus Aachen weiß, was Deutschland braucht - und beweist seit 160 Jahren, dass Unternehmen in Familienhand funktionieren.

Wenn die Familie Wirtz ruft, dann kommt wer Rang und Namen hat - zumindest in der Region Aachen. Der Bischof ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, und der Landesvater Nordrhein-Westfalens Peer Steinbrück hatte den Termin "seit über einem Jahr" im Kalender stehen.

 Generationswechsel: Michael (l.) und Sebastian Wirtz, Miteigentümer der Dalli-Gruppe
Gruenenthal GmbH / DDP
Generationswechsel: Michael (l.) und Sebastian Wirtz, Miteigentümer der Dalli-Gruppe
Es war der letzte Freitag im Januar, als die zwei sich zu klassischer Musik in der herausgeputzten Konfektionierungshalle des Pharmaherstellers Grünenthal einfanden. Und mit ihnen 2000 weitere Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie Mitarbeiter des Unternehmens. Zusammen stießen sie mit Sekt auf einen Generationswechsel in der Geschäftsführung an. Abschied nahm Michael Wirtz, der 35 Jahre lang an der Spitze stand. Nun, 66 Jahre alt, macht er seinem Sohn Sebastian Platz. Der 34-Jährige leitet ab sofort mit drei familienfremden Managern die Geschicke des Pharmaherstellers.

Gruppe erwirtschaftet Umsatz von 1,3 Milliarden Euro

Grünenthal - das ist nur ein Teil des Firmenimperiums des rheinländischen Clans der Wirtzens. Nunmehr in der sechsten Generation führen Familienmitglieder die anderen Filetstücke, den Kosmetikhersteller Mäurer + Wirtz und den Wasch- und Reinigungsmittelproduzenten Dalli. Die verschwiegene Firmengruppe erlöste 2003 mit rund 7000 Mitarbeitern rund 1,3 Milliarden Euro. Jegliche weitere betriebswirtschaftliche Kennziffer hüten die Aachener ebenso scharf wie die Rezeptur ihrer Pillen.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

Wer sind die Unternehmer im Lande? Wie haben sie ihre Firmen zum Erfolg geführt? Unter dem Titel "Deutschland, deine Unternehmer" stellt manager-magazin.de die Gestalter unserer Wirtschaft vor. Alle bereits erschienenen Porträts
Und es gehört zur guten Tradition, dass die Aachener Fabrikanten die überregionale Öffentlichkeit meiden wie der Teufel das Weihwasser. Auch für manager-magazin.de machten sie keine Ausnahme. Ihre Artikel hingegen stehen im Bekanntheitsgrad dem Wahrzeichen ihrer Stadt, dem Aachener Dom, in nichts nach. In Supermärkten dieser Republik liegt ihr Waschmittel aus, zum Beispiel "Tandil" bei Aldi. Drogerien verkaufen ihre Hautwässerchen von "Betty Barclay" bis zum scheinbar unsterblichen "Tabac". Apotheken haben ihre Verhütungspillen ("Lara"), Schmerzmittel ("Tramal") und Antibiotika ("Grüncef") parat.

Immerhin, der Ursprung allen industriellen Schaffens der Sippe liegt nicht im Geheimen verborgen. Es war ein gewisser Andreas August Wirtz, der 1845 in einem Kolonialwarenladen begann, Seife zu kochen. Familienmitglied Hermann Wirtz formuliert gegenüber der "Aachener Zeitung" kokett: "Wir haben begonnen, in Pötten zu rühren und Seife zu mahlen." Aus eben jenen Seifenstücken entstand Seifenpulver, das später zu Waschmittel weiterentwickelt wurde. 1899 schließlich ging als Jahr der Markteinführung von "Dalli" in die Familienchronik ein.

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