Mittwoch, 19. Dezember 2018

Familie Vaillant Heitere Heizer

Wie kann sich ein Familienunternehmen gegen Weltkonzerne behaupten? Der Vaillant-Clan, Inhaber des gleichnamigen Heizgerätebauers, empfiehlt: Gehe mit der Zeit, schrecke nicht vor teuren Übernahmen zurück und halte zusammen wie Pech und Schwefel.

Hamburg - Unternehmen müssen wachsen. Und wer wachsen will, muss zusammenhalten. Diese Binsenweisheit spiegelt sich auch in der Geschichte des Heizgerätebauers Vaillant wider. Im Gegensatz zu anderen deutschen Familienunternehmern bricht die Sippe aus Remscheid aber auch mit Traditionen - falls es Not tut.

Altehrwürdige Tradition: Eine Plakatwerbung für Badeöfen von Vaillant aus dem Jahr 1902
So verzichten die 34 Nachkommen des Firmengründers und Kupferschmieds Johann Vaillant auch schon mal auf Dividende. Noch die nächsten fünf Jahre müssen die Clanmitglieder voraussichtlich ohne Gewinnausschüttung auskommen, weil das Geld zur Tilgung von Krediten benötigt wird. Kredite, die nötig waren, um aus dem mittelständischen Betrieb einen internationalen Player zu formen.

Und das ging so: Das neue Jahrtausend war gerade ein Jahr alt, als die Heizungsgeräte-Dynastie sich entschloss, das größere und börsennotierte Unternehmen Hepworth aus England zu kaufen. 1,1 Milliarden Euro legten die verschwiegenen Mittelständler auf den Tisch und übersprangen beim Umsatz auf einen Schlag deutlich die Milliarden-Euro-Grenze. Der Deal katapultierte das Imperium gleichsam in die Spitzengruppe der Branche, Aug' in Aug' mit Bosch-Buderus und der britischen Baxi Group.

 Wärmepumpe aus dem Hause Vaillant  in diesem Segment sind die Remscheider mit Abstand in Europa Marktführer  Dieses Solar-Gas-Brennwert-Kompaktgerät heißt kurz Aurocompact
 Gut integriert: Gas-Wand-Heizgerät mit Warmwasserspeicher  Gas-Wasserheizer der neuesten Generation aus dem Hause Vaillant  Wert auf ästhetische Gerätegestaltung gelegt: Das wandhängende Gerät Ecotec mit Speicher
 Vaillant-Arbeiterinnen im Electroniccenter  Vaillant-Arbeiter in der Produktion, Heizgeräte-Prüfstand  Montage eines Hydraulik-Elements in der Fertigung

Zu Hause bei Vaillant
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Außerdem modernisierte die Familie die Unternehmensstrukturen. Die Trennung von Eigentum und Management wurde fixiert, für nachfolgende Generationen sind die Hürden hoch. Aufsichtsratschef Gert Krüger: "Das Familienmitglied, das ins Unternehmen will, muss besser als jeder andere Kandidat sein". In die Zeit der Strukturreform fiel auch der Abgang von Karl-Ernst Vaillant, dem vorerst letzten Patriarchen. Die Familie installierte ein externes Management. Ein Tandem, bestehend aus dem Schweden Claes Göransson und dem Franzosen Michel Brosset.

Ungewöhnlich: Das Duo ist formal gleichberechtigt, "es wird im Konsens entschieden", heißt es aus dem Unternehmen. Nicht nur an dieser Stelle betont das Unternehmen sein Faible für Gleichberechtigung und Miteinander. Die Wahl auf die beiden fiel indes nicht zufällig. Brosset kennt die Abläufe in Familienunternehmen aus seiner Zeit von Villeroy & Boch, Göransson weiß spätestens als Ex-Finanzchef der deutschen Ford-Werke wie Großunternehmen ticken.

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