Freitag, 16. November 2018

Günther Fielmann Brillen, Bullen und Boliden

Mit einer einmaligen Geschäftsidee erklomm Günther Fielmann den Thron der deutschen Augenoptikerzunft. Auf dem Gipfel des Erfolgs bläst dem leidenschaftlichen Ökobauer und Ferrarifahrer der scharfe Wind der Gesundheitsreform entgegen.

Hamburg - Es hat etwas gedauert, bis Günther Fielmann seine eigentliche Leidenschaft (wieder) entdeckt hat. Genau genommen etwa 45 Jahre. 45 Jahre, die er keineswegs unnütz vertrödelt hat, sondern in denen er mit Hilfe von Geldgebern, 16-Stunden-Schichten und kühnen Geschäftsmethoden zur Nummer eins des Augenoptikergewerbes aufgestiegen ist.

Ferrari-Fahrer, Ökobauer und Augenoptiker:
Günther Fielmann
Hätte er den Weg seiner beruflichen Karriere selbst entscheiden dürfen, vielleicht, ja vielleicht, wäre statt "Brille: Fielmann!" der Slogan "Ökoprodukte: Fielmann! zum geflügelten Wort geworden. Und biobewusste Großstädter würden seit Jahrzehnten in den Fielmann-Filialen Eier, Fleisch und Obst vom Land einkaufen. Produkte, die der heute 65jährige Chef der Fielmann AG Börsen-Chart zeigen seit einigen Jahren anbaut - und bald in eigenen Bioläden vertreiben will.

Jede freie Minute nutzt er abseits des Brillengeschäfts für das im Einklang mit der Natur stehende Anbauen von Obst und Gemüse, pflanzt Bäume, kümmert sich um aussterbende Tierarten wie der Maledina Holsteiner Zuchtstute und den Altdeutschen Schwarzbunten Niederrungsrindern. Kurzum: Bewahrt vor der heimischen Haustür die Natur vor Unheil - so wie es ihm seine Mutter damals auf Streifzügen durch die Holsteinische Schweiz gelehrt hat.

 Hoher Besuch: Bundeskanzler Gerhard Schröder besuchte Günter Fielmann auf seinem Gut Schierensee und begutachtete einen 1,5 Tonnen schweren französischen Bullen  Der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung abgekauft: Das Plöner Schloss beherbergt die Fielmann Akademie für Optik  Voller Schätze: Eine Restauratorin pflegt einen Spiegel im Plöner Schloss

Brille: Fielmann!
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Dass er im Hauptberuf jedoch der Vorstandschef der Fielmann AG wurde, hat er seinem Vater zu verdanken. Ein preußischer Beamter aus kleinbürgerlichen Verhältnissen "mit der Lust an der Pflicht", forderte ihn eindringlich auf "etwas Vernünftiges" zu erlernen. Fielmann tat wie ihm geheißen wurde und durchlief eine Ausbildung zum Augenoptiker, deren Prüfung er mit Auszeichnung bestand. Keine Eintagsfliege: Was Fielmann anpackt, führt er akribisch zur Perfektion.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Mit dem Angestelltenverhältnis konnte sich der Sportwagenfan nicht anfreunden. Mit einer Extraportion Ehrgeiz ausgestattet und unterstützt von Geldgebern, eröffnete er Anfang der 70er Jahre erste Optikergeschäfte. Anders als in seiner Zunft üblich, begnügte er sich mit einem Bruchteil der üblichen Gewinne und produzierte bald selber, umging so also Gewinn belastende Zwischenhändler. Das Wort "Nulltarif" ward geboren - Kunden zahlen nur die Rezeptgebühr.

Sein ungewöhnliches Geschäftsgebaren sorgte bei der Konkurrenz schnell für dicke Hälse. Zum Beispiel als er 1981 mit der gesetzlichen Krankenkasse AOK einen Sondervertrag abschloss und den AOK-Versicherten eine Vielzahl moderne Fassungen auf Rezept zusicherte. Auf Branchentreffen wird der Netzbeschmutzer geschnitten wie ein Aussätziger, seine neidischen Kollegen überziehen ihn mit Klagen. Doch der Erfolg gibt Fielmann Recht: Mehr als 14 Millionen Deutsche tragen seine Brillen. Gut fünf Millionen Brillen gehen jährlich über seine Ladentheken.

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