Mittwoch, 19. Dezember 2018

Familien Villeroy und Boch Späte Genugtuung

Ein Teller fällt auf den Boden und zerschellt. Als ungleich bruchfester erweist sich der Geschirr- und Fliesenproduzent Villeroy & Boch. Selbst eine Revolution, drei Kriege, Strategiefehler, eine Familienfehde und Konsumkrisen konnten den Familienkonzern nicht in Scherben zerschlagen.

Mettlach - Sie krümmt und windet sich, als wolle sie hier verweilen. Die Saar, dieser weitgehend unbegradete Strom, fließt auch am Städtchen Mettlach und der Residenz von Villeroy & Boch Börsen-Chart zeigen vorbei. So viele Kurven der Fluss nimmt, die Geschichte des 257 Jahre alten Familienunternehmens scheint an Wendepunkten reicher zu sein.

"Wir denken nicht mehr in Stämmen": Wendelin von Boch, Vorstandschef von Villeroy & Boch
Es geschah im Jahr 1748, als der Eisengießer François Boch in dem lothringischen Dorf Andunle-Tiche eine Töpferei für Keramikgeschirr eröffnet. Einige Jahrzehnte später gründet der Kaufmann Nicolas Villeroy in Vaudrevange an der Saar eine Steingutfabrik. 1836 legen der Enkel des Gründers, Jean François Boch, und Nicolas Villeroy ihre Manufakturen zusammen: Villeroy & Boch entsteht.

Damals konnten die beiden Selfmademen nicht ahnen, dass sich ihre Erben zig Jahrzehnte später für eine Weile befehden sollten, dass durch Strategiefehler, Konsumverweigerung und Billigimporten aus Fernost der Konzern in eine schwere wirtschaftliche Krise geriet, dass ein Börsengang neue finanzielle Perspektiven eröffnete - und dass der heutige Konzernherr klug einen Strategiewechsel einläutete.

 Konservativ: Die "Sentiments-Flowers"-Serie ähnelt dem Stil des Biedermeiers  Glaspuzzle: Die farbigen Glasschalen in Amber, Olive, Blue und Mauve der "New Wave Move"-Serie sind vielseitig kombinierbar  Wellendesign: Ebenfalls aus der "New Wave Move"-Serie können Halbschalen kombiniert werden, die an Blütenblätter erinnern
 Feine englische Art: Die "Thé Noir"-Serie ist nicht nur, aber insbesondere für die Zubereitung von Schwarzem Tee konzipiert  Asiatisch: Aus der "Thé Vert"-Serie stammt dieses Grüntee-Geschirr  Dezente Fröhlichkeit: Ein gefliestes Badezimmer im Design "Enjoy"
 Im Country-Stil: Kollektion Arriba von Villeroy & Boch  Nüchternheit ist Trumpf: Kollektion Aveo von Villeroy & Boch  Metropolen-Blick: Edition City Life von Villeroy & Boch

Porzellan- und Fliesenpalette von V&B
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[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

Wer sind die Unternehmer im Lande? Wie haben sie ihre Firmen zum Erfolg geführt? Unter dem Titel "Deutschland, deine Unternehmer" stellt manager-magazin.de die Gestalter unserer Wirtschaft vor. Alle bereits erschienenen Porträts
Die Stimme eben jenes Konzernherrn hört sich derzeit nicht nach purem Optimismus an. "Wir bewegen uns weiterhin in einem schwierigen Umfeld", sagt Wendelin von Boch, Vorstandschef von Villeroy & Boch, im Gespräch mit manager-magazin.de.

Draußen plätschert Wasser in einem Brunnen von Schinkel. An der barocken Abtei, in der der Konzern residiert, rankt Efeu hoch. Der Vorstandsbereich ist von einer Mischung aus Ahnenporträts und moderner Kommunikationstechnik geprägt. In den Gängen hängen Gemälde an steinverzierten Wänden, Marmorsäulen strecken sich den gewölbten Decken entgegen; an jeder Kachel klebt der Duft der Tradition. Eine Idylle. Eine Idylle?

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