Dienstag, 13. November 2018

Dachser Ritterschlag der allmächtigen Tante

Wer den Chefsessel des Speditionsriesen Dachser erklimmen will, brauchte den Segen der Eigentümerfamilie. 15 Jahre hatte der externe Manager Gerd Wecker den Vorsitz der Geschäftsführung inne - nun steigt ein Familienmitglied in das Führerhaus ein.

Kempten - Bei der Spedition Dachser, einer der fünf führenden Logistikdienstleister Europas, hat zum Anfang dieses Jahres die Eigentümerfamilie wieder die operative Verantwortung übernommen. Sprecher der Dachser-Geschäftsführung wird der Enkel des Firmengründers, Bernhard Simon.

Der Auserkorene: Bernhard Simon führt Dachser
Die vergangenen 15 Jahre hatte ein Familienfremder die operative Verantwortung inne. Gerd Wecker war 1969 in den Familienkonzern eingestiegen, wurde 1981 in die Geschäftsführung berufen und übernahm 1989 den Chefsessel. Er hat die Spitzenfunktion nun aus Altersgründen abgegeben.

Der neue Unternehmenslenker Bernhard Simon (44) studierte nach einer Ausbildung zum Speditionskaufmann Betriebswirtschaft, 1996 verfeinerte er seine kaufmännischen Kenntnisse mit Hilfe eines Senior Executive Programs an der Elite-Universität Harvard. 1999 wurde Simon in die Geschäftsführung des Familienunternehmens berufen.

Die 1930 von Thomas Dachser gegründete Spedition verfügt über eine strenge Unternehmensverfassung, die Familienmitglieder gegenüber Externen keineswegs begünstigt. Im sechsköpfigen Verwaltungsrat sitzen mehrheitlich familienfremde Manager, inklusive des Vorsitzenden. Der Geschäftsführung darf nur jeweils ein Mitglied der zwei Familienstämme angehören.

Von A nach B: Dachser-Lkw
Simon sagte vor einiger Zeit in einem Interview: "Das Unternehmen muss unbedingt auch für externe Talente attraktiv bleiben." Dies gelinge nur über transparente Spielregeln zur Besetzung der obersten Führungsetagen, die für Familie und Externe gleich sind. Ursprünglich sollte sogar ein Passus hinein, dass kein Familienmitglied Sprecher werden darf. Von dem Plan wurde allerdings Abschied genommen.

Die Unternehmensverfassung stelle die Firma vor die Interessen der Familie und sei eine wesentliche Quelle des heutigen Erfolges, meinte der heutige Unternehmenschef damals weiter. Der Vertrag sehe eine restriktive Entnahmepolitik vor. "Gewinne werden thesauriert, investiert werden jährlich etwa 100 Millionen Euro." Die Eigenkapitalquote müsse mindestens 30 Prozent betragen.

Im Hintergrund des Familienkonzerns, der mit 12.000 Beschäftigten rund 2,1 Milliarden Euro Umsatz einfährt, zieht allerdings weiterhin Christa Rhode-Dachser die Fäden. Die studierte Betriebswirtin und Professorin für Psychoanalyse ist Mitglied im Verwaltungsrat und Hauptgesellschafterin eines der zwei Familienstämme. Sie hatte ebenfalls einige Jahre in der Geschäftsführung gearbeitet, nach Problemen mit ihrem Vater hatte sie aber auf eine Karriere im Unternehmen verzichtet. Simon wurde nach eigenen Angaben von seiner Tante Rhode-Dachser sehr gefördert - ein offenbar sehr harmonierendes Team.

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