Mittwoch, 21. November 2018

Dieter Hundt Tritt den Ball, nicht den Gegner

3. Teil: "Das geb ich, was gebt ihr?"

"Das geb ich, was gebt ihr?"

Selbst die IG Metall hat zum Tadel kaum Anlass, lobt vielmehr Hundts Kompromissbereitschaft und die deutliche Übererfüllung der Ausbildungsquote. Beim Nachdenken fällt Gewerkschaftsmann Bernd Rattay dann doch noch Kritikwürdiges ein. "Es gibt schon Brüche zwischen dem, was er als BDA-Chef öffentlich sagt, und wie er im Betrieb handelt", sagt der IG Metall-Vertreter gegenüber manager-magazin.de. "Als BDA-Chef fordert Hundt Arbeiten bis 67 - aber ältere Personen, jenseits der 55, stellt auch er nicht ein." Betriebsratsmann Sprang wirft sich dabei für Hundt in die Bresche und sagt: "Man kann doch nicht ältere Leute einstellen, die im 3-Schicht-Betrieb im Akkord arbeiten".

[M] DDP; DPA; mm.de
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Hundts Kompromissbereitschaft zeigt sich in seiner im Betrieb allseits bekannten Formulierung: "Das geb ich, was gebt ihr?" Auf diesem Wege konnte der Unternehmer eine Beschäftigungsgarantie - zurzeit bis 2006 verlängert - abgeben und versichert, dass es "keine konkreten Pläne gibt, Produktion und Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern". Als Gegenleistung mussten die Mitarbeiter flexibleren Arbeitszeiten zustimmen und auf Mehrarbeitszuschläge verzichten. Kurzum: Jeder muss etwas zum Unternehmenserfolg beitragen.

Sechsundsechzig Jahre mittlerweile alt, hat Hundt nun seinen weiteren Lebensweg genau geplant. Anfang 2007 wird er sich aus dem Verbandsleben verabschieden, sowie bei Allgaier das operative Geschäft sein lassen und in den Aufsichtsrat wechseln. Wer sein Nachfolger im Unternehmen wird, ist noch nicht ausgemacht. "Wir suchen zum richtigen Zeitpunkt den besten Nachfolger", hält er sich äußerst bedeckt. Unternehmensbeobachtern zufolge ist es wahrscheinlich, dass Hundt einen externen Fachmann holt.

Wer nun denkt, Hundt wolle sich von seinen Gesellschafteranteilen trennen, der befindet sich auf dem Holzweg. Und natürlich sagt er auch nicht seinem liebstem Hobby, dem Mitwirken beim VfB Stuttgart, ade. Hundt, früher Vertragsamateur (Mittelstürmer) bei Grasshopper Zürich, ist seit Ewigkeiten Mitglied des Bundesligisten, und seit zwei Jahren beim Schwaben-Verein Aufsichtsratsvorsitzender. Den Erfolg, den der Bundesligist bis heute verbucht, verbinden kundige Beobachter mit seiner Person und der von Erwin Staudt, einst IBM-Deutschlandchef und heute hauptamtlicher VfB-Präsident.

Auch für diese Saison schlägt Hundt nur optimistische Töne an. "Wir kommen auf einem Platz, der zur Teilnahme im internationalen Geschäft berechtigt", prophezeit er. Also nicht Meister? Als hätte jemand das in der Mannschaft steckende Potenzial falsch bewertet, nimmt die Stimme des gemütlichen Schwaben an Fahrt an. "Warten Sie ab! Der VfB ist eine der besten Mannschaften der Bundesliga und kann alles erreichen". Hundt nähert sich einem Gefühlsausbruch.

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