Mittwoch, 15. August 2018

Nebenjobs Nepper, Schlepper, Bauernfänger

"1000 Euro nebenbei verdienen? Kein Problem." Ob an Laternenpfählen oder im Anzeigenteil seriöser Zeitungen - überall wird für lukrative Nebenjobs geworben. Aber bei Offerten, die viel Geld für wenig Arbeit versprechen, ist erhöhte Vorsicht geboten. Wer unseriösen Anbietern auf den Leim geht, hat schnell das Nachsehen.

München/Aachen - "Heim- und Nebenverdienst, bis 1000 Euro zusätzlich" - so oder ähnlich lauten Anzeigentexte, die für Nebentätigkeiten fantastische Verdienstmöglichkeiten versprechen. Doch Verbraucherschützer warnen davor. Hinter dem scheinbar lukrativen Jobangebot lauern in der Regel Betrügereien.

 Vorsicht vor Lockangeboten: Viele Anzeigen sind unseriös
mm.de
Vorsicht vor Lockangeboten: Viele Anzeigen sind unseriös
"Vorsicht ist immer dann geboten, wenn unklar bleibt, welche Tätigkeit ausgeführt werden soll, gleichzeitig aber ein hoher Verdienst versprochen wird", sagt Markus Saller. Unseriöse Angebote seien zudem daran erkennbar, dass ihr Initiator ungenau bleibt, erläutert der Jurist der Verbraucherzentrale Bayern in München. "Häufig ist keine Postanschrift angegeben oder die Rechtsform fehlt."

Ein Inserat wie "Arbeiten von zu Hause, PC/Internet erforderlich" sei zunächst "wertfrei", erklärt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. Doch dahinter könne sich etwas Unseriöses verbergen: "Entweder sollen Interessenten für Informationen eine 0190er-Nummer wählen, kostenpflichtiges Infomaterial bestellen oder sogar ein teures Computerprogramm kaufen."

"Arbeitslose greifen nach jedem Strohhalm"

Als Klassiker unter den dubiosen Jobangeboten gilt die Montage von Kugelschreibern in Heimarbeit: "Das ist der größte Blödsinn", schimpft Hartmut G. Müller. "Kugelschreiber werden heutzutage maschinell hergestellt", sagt der Justitiar und Fachbereichsleiter der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam.

Der Trick: Interessenten sollen für Material Vorkasse leisten, ohne jedoch Abnehmer für ihre Produkte zu haben. "Bestellen 100 Leute für 1000 Euro Kugelschreiberteile, hat die Firma 100.000 Euro verdient. Dann macht sie dicht", erläutert Müller.

Dabei ist es nicht einmal der Traum vom leicht verdienten Geld, der Jobsuchende in die Fänge der Abzocker treibt: "In Zeiten, in denen es kaum Arbeitsplätze gibt und Menschen händeringend Arbeit suchen, lassen sie sich auch auf solche Angebote ein", sagt Müller. "Arbeitslose greifen nach jedem Strohhalm", bestätigt Castelló.

Bei Peter Horlacher, beim Polizeipräsidium Frankfurt/Main für Betrug mit Heimarbeit und Nebenverdiensten zuständig, wird im Schnitt pro Monat ein halbes Dutzend Fälle zur Anzeige gebracht. Die Dunkelziffer sei groß, so der Kriminaloberkommissar. Vielen sei es peinlich, hereingefallen zu sein. Außerdem gehe es selten um große Summen. "Der finanzielle Schaden für den Einzelnen ist gering", erklärt auch Saller. "Die Masse macht's."

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