Samstag, 17. November 2018

Eugen Münch Skalpell statt Homöopathie

Den staubigen Job des Müllers hängte Eugen Münch früh an den Nagel. Stattdessen kauft er marode kommunale Hospitäler, um sie mittels einer Radikalkur profitabel zu machen. Dabei wirkt der Großaktionär der börsennotierten Rhön-Klinikum nur vordergründig wie ein barmherziger Samariter.

Hamburg - Sein beruflicher Werdegang war frühzeitig vorgezeichnet. Doch eine Mehlstauballergie verhinderte, dass Eugen Münch aus dem schwäbischen Riedlingen ein Leben lang als Müller arbeitete. Also schwang er sich Mitte der 60er Jahre auf, über den zweiten Bildungsweg Betriebswirtschaft zu studieren. Entscheidend für seine berufliche Karriere war schließlich aber nicht die (staub-) trockene Theorie, sondern vielmehr die Stippvisite bei einem Steuerberater.

"Wetten würd' ich nicht, aber schwören": Eugen Münch
Dort traf Münch, als Schwabe ausgestattet mit den Eigenschaften a) sorgsamer Umgang mit Geld und b) Fleiß, auf ein ihm suspektes Geschäftsgebaren. Der Steuerberater war für eine Abschreibungsgesellschaft, die sich an einer maroden Kurklinik im strukturschwachen Zonenrandgebiet verspekuliert hatte, tätig. Der junge Münch sollte eine Unterschlagungsprüfung durchführen, diagnostizierte gleich die Schwächen und erstellte detailreich ein Konzept, wie die sieche Klinik zu retten sei. Das überzeugte die Gesellschafter derart, dass sie den frisch gebackenen Akademiker zum Sanierer kürten.

Münch wollte aber mehr, als nur den Retter in der Not spielen. "Ohne eine Beteiligung hätte ich den Job nicht gemacht, denn nur so konnte ich hinter die Kulissen sehen", meint Münch gegenüber manager-magazin.de heute rückblickend. Er kratzte also 5.000 Mark zusammen und kaufte 25 Prozent der Anteile. Ein Glücksgriff, wie sich später herausstellen sollte.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

Wer sind die Unternehmer im Lande? Wie haben sie ihre Firmen zum Erfolg geführt? Unter dem Titel "Deutschland, deine Unternehmer" stellt manager-magazin.de die Gestalter unserer Wirtschaft vor. Alle bereits erschienenen Porträts
Aus besagtem Kurbetrieb ging nach einigen Zukäufen sodann die Rhön-Klinikum GmbH hervor, deren Börsengang Börsen-Chart zeigen 1989 erfolgte. Die daraus folgende Aktiengesellschaft ist seit 1996 im MDax Börsen-Chart zeigen notiert. Größter Anteilseigner ist die HVB Group Börsen-Chart zeigen, die 27 Prozent der Stammaktien hält. Münch und seine Ehefrau verfügen als zweitgrößte Eigentümer über 24 Prozent der Stammaktien. Obwohl also nur die Nummer zwei beim Aktienbesitz, dominiert der gelernte Müller und Betriebswirt das Unternehmen - allein schon, weil er das Amt des Vorstandschefs innehat.

Derzeit bewirtschaftet Rhön-Klinikum 34 Kliniken in acht Bundesländern mit etwa 9000 Betten. Der Krankenhauskoloss von Neustadt an der Saale beschäftigt 13.400 Mitarbeiter und setzte zuletzt 950 Millionen Euro um. Umsatzstärker sind nur noch die Rivalen Helios und Asklepsios mit jeweils 1,1 Milliarden Euro; beide sind allerdings nicht an der Börse notiert. Die privaten Träger wachsen deswegen so stürmisch, weil klamme Kommunen notgedrungen unrentable Krankenhäuser verkaufen müssen.

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH