Montag, 19. November 2018

Interimsmanagement "Der herkömmliche Manager wird zu teuer"

Die Führungsetagen in deutschen Unternehmen müssen abspecken, prognostiziert der Wirtschaftswissenschaftler Rainer Marr im Interview mit manager-magazin.de. Zeitweise angeheuerte Interim-Manager übernehmen immer mehr Verantwortung. Ein Aufbaustudium soll Fachkräfte im Personalbereich auf den Trend vorbereiten.

mm.de:

Wieso wollen Sie einen Aufbaustudiengang für Interim-Management ins Leben rufen?

"Nicht jeder eignet sich dafür": Professor Rainer Marr will Qualitätsstandards für Interim-Manager einführen
Marr: Die Situation in der deutschen Wirtschaft ist gekennzeichnet einerseits durch wachsenden Kostendruck und andererseits den Zwang, strategisch wettbewerbsfähige Konzepte zu entwickeln. Besondere Probleme haben dabei die mittelständischen Betriebe, denn Großunternehmen haben meist ausreichend intellektuelles Potenzial im Haus. Jedenfalls können sich viele Unternehmen die Professionalität, die sie eigentlich bräuchten, nicht leisten.

Die klassische Unternehmensberatung ist für die meisten mittelständischen Betriebe zu teuer. Es muss aber zwischen "fehlender Unterstützung" - man kann sich so jemanden nicht leisten - und "voller Professionalität mit vollen Kosten" eine situationsangemessene Lösung geben: den Interim-Manager. Bislang gibt es dafür noch kein Qualifikationsprofil. Und nicht jeder, der über eine langjährige Berufserfahrung verfügt, eignet sich dafür.

mm.de: Weshalb spezialisieren Sie Ihr Weiterbildungsangebot auf den Bereich Personalwesen?

Rainer Marr unterrichtet an der Universität der Bundeswehr in München. Der 62-jährige Hochschulprofessor ist Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Personal und Organisation. In Zusammenarbeit mit Zetesis, einem Unternehmen für Personalmanagement aus Starnberg, bietet Marr künftig einen Aufbaustudiengang für Interim-Management an .
Marr: Der Personalbereich hat in vielen Unternehmen immer noch Schwierigkeiten, seine Position zu definieren und zu wahren - mehr zu sein als nur Kostenverursacher und Personalverwalter. Speziell der Mittelstand braucht aber eine strategisch orientierte Personalpolitik, weil er sonst im Wettbewerb um gute Köpfe mit der Großindustrie nicht mithalten kann. Auf der anderen Seite gliedern immer mehr Unternehmen aus Kostengründen ihre eigene Personalabteilung aus. Das ist wegen deren hoher strategischer Bedeutung aber gefährlich. Wie kann man nun auf dieses Dilemma reagieren? Daraus entstand der Gedanke, Interim-Manager speziell für den Personalbereich auszubilden.

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