Freitag, 14. Dezember 2018

Anneliese Brost Regentin von der Ruhr

Bleistifte anspitzen, Kaffee kochen – Anneliese Brost fing klein an beim WAZ-Imperium. Mit Fleiß, Disziplin und Glück schaffte es die Witwe eines der Firmengründer bis an die Konzernspitze. Selbst im hohen Alter stattet sie dem Verlag noch täglich einen Besuch ab.

Hamburg - Kaum einer kennt die Entwicklung der Verlagsgruppe WAZ so gut wie sie: Anneliese Brost gehörte schon 1946 zum Gründungsteam der Zeitung. Als Sekretärin verdiente sie sich ihre Sporen bei der "Westfälischen Rundschau" - und lernte per Zufall Erich Brost kennen.

 "Der Tag konnte gar nicht lang genug sein: " Verlegerin Anneliese Brost
Jacek Sztorc
"Der Tag konnte gar nicht lang genug sein: "Verlegerin Anneliese Brost
"Wollen Sie nicht meine rechte Hand werden?", umwarb der sozialdemokratische Verleger charmant die junge Frau - Anneliese Brost wollte. Trotz eines Altersunterschieds von 18 Jahren. Brost, der gerade mit dem erzkonservativen Jakob Funke ein Zweckbündnis eingegangen war, hatte die Lizenz für die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" von der britischen Militärregierung ergattert - eine Gelddruckmaschine, wie sich später herausstellen sollte.

Die 25-jährige Angestellte verzichtete auf ihr Betriebswirtschaftsstudium und unterschrieb ihren Arbeitsvertrag. Bis aus der engen Vertrauten aber die zweite Ehefrau von Erich Brost und damit Verlagserbin wird, sollen noch etliche Jahrgänge von Zeitungen durch die Rotationswalzen laufen.

Karge Büroausstattung, drangvolle Enge

Angesprochen auf die Zeitungsanfänge im Nachkriegsdeutschland, gerät die rüstige Dame noch heute ins Schwärmen: "Das war eine tolle Zeit, der Tag konnte gar nicht lang genug sein".

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Diese Schilderung mag Außenstehende verwundern, denn die Kunst des Alltags bestand darin, trotz der Widrigkeiten der Nachkriegszeit - angefangen bei der drangvollen Enge bis hin zur kargen Büroausstattung - über die Runden zu kommen.

So teilten sich die Lokalredakteure zu dritt eine Schreibmaschine. Bleistifte mussten selber mitgebracht werden und Glühbirnen wurden wegen Diebstahlgefahr abends herausgedreht und eingeschlossen. Der Mangel muss den journalistischen Ehrgeiz angestachelt haben: Dreimal wöchentlich eine vier Seiten kleine Ausgabe, zu erwerben für 20 Reichspfennige.

Die aus der Not geborene Tugend, auf Heller und Pfennig zu achten, begründet zum Teil noch heute den wirtschaftlichen Erfolg des Ruhr-Riesen. Zwar hütet die Führungsriege die wirtschaftlichen Eckdaten wie ein Staatsgeheimnis, doch schlägt sich der Verlag nach Ansicht von Branchenbeobachtern selbst in derzeit wirtschaftlich schwierigen Zeiten besser als die Konkurrenz.

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