Samstag, 17. November 2018

FinanceScout24 Pfadfinder allein unterwegs

Krimireif war der Abgang von Dorian Simon beim Finanzdienstleister MLP. Nahezu übergangslos heuerte der Vertriebsprofi anschließend bei der Scout24-Gruppe an. Diese Beziehung hat nun auch ein Ende. Eine neue Führungsmannschaft steht indes fest.

Hamburg - Das Internet-Finanzportal FinanceScout24 hat sich von seinem Vorstandschef Dorian Simon getrennt. Dies erfuhr manager-magazin.de aus einer gut informierten Quelle.

 Bewegtes Leben mit 33 Jahren: Ex-MLP und Ex-FinanceScout-Manager Simon
Bewegtes Leben mit 33 Jahren: Ex-MLP und Ex-FinanceScout-Manager Simon
Die Personalie bestätigte Aufsichtsratschef Christian Mangstl auf Nachfrage. "Herr Simon ist aus seinem Amt als Vorstand der FinanceScout24 AG am 11.10. ausgeschieden."

Zu den Gründen des Abgangs sagte Mangstl: "Herrn Simons Ausscheiden steht im Zusammenhang mit einer vertraglich fälligen Vertragsverlängerung, auf welche die Parteien sich nicht einigen konnten. Es handelt sich um eine reine Personalentscheidung, die keine Auswirkungen auf die Strategie und die geschäftlichen Prioritäten des Unternehmens hat, welche die selben geblieben sind."

Zudem wird auch Simons Vorstandskollegin Adelheid Wilm in Kürze aus dem Führungsgremium ausscheiden, wie Mangstl gegenüber manager-magazin.de bestätigte. Die Nachfolger stehen schon fest. Der Vorstand besteht dann aus Michael Schulz, der als Vorstandschef für für die Bereiche Strategie, Produkte und IT verantwortet ist, Horst Kesselkaul (Vertrieb und Marketing) sowie Tim Heidfeld (Finanzen und Administration).

Der 33-Jährige Dorian Simon kam im Januar 2003 zum Hamburger Unternehmen, das zur Beisheim Holding Schweiz (BHS), gehörte. Ende 2003 Dann kaufte T-Online die Internethandels-Plattform Scout24, zu der auch FinanceScout24 gehört, für rund 180 Millionen Euro.

Dorian Simon kann mit seinen 33 Jahren auf eine turbulente Karriere zurückschauen. Im Alter von 24 Jahren begann der in Kamerun und Togo aufgewachsene Simon als Berater beim Finanzdienstleister MLP Börsen-Chart zeigen. Mit 26 wurde er Geschäftsstellenleiter, mit 28 Direktor und mit 30 Vorstandsmitglied bei der MLP Finanzdienstleistungen AG, einer Tochter der MLP AG angestellt.

Die Trennung zwischen Simon und dem Heidelberger Finanzdienstleister geschah auf unrühmliche Weise. Dem damaligen Vertriebsvorstand wurde fristlos gekündigt. Monatelange Rechtsstreitigkeiten zwischen dem ehemaligen Top-Manager und seinen Ex-Arbeitgeber belegten das zerrüttete Verhältnis.

Geschäftsinterna weitergegeben?

Was war geschehen? Auf der Computer-Festplatte von Simon sollen angeblich Reste von gelöschten Dokumenten gefunden worden sein, die belegten, dass der Manager verschiedene Medien mit Geschäftsinterna versorgt habe. Kurz nach seiner Entlassung berichteten einige Medien auch über eine angebliche Affäre zwischen Simon und einer in London für JPMorgan tätigen M&A-Beraterin, die er ebenfalls mit Betriebsgeheimnissen versorgt haben soll. MLP hatte deshalb Simon wegen angeblichen Geheimnisverrats angezeigt. Das Verfahren hatte die Staatsanwaltschaft Heidelberg nach anfänglichen Ermittlungen eingestellt.

Im zivilgerichtlichen Streit um die fristlose Entlassung hatte das Landgericht Heidelberg einen Vergleich vorgeschlagen, der Rechtskraft erlangte. Nach dem Vergleich soll Simon deutlich unter 100.000 Euro (zwei Monatsgehälter) bekommen haben. Ein vergleichsweise niedriger Betrag, wenn man bedenkt, dass er zum Zeitpunkt seiner fristlosen Kündigung noch einen Fünf-Jahres-Vertrag in der Tasche hatte.

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