Freitag, 16. November 2018

Hermann Bühlbecker Printen-Prinz mit Biss

Er ist hoch dekorierter Manager, Star ohne Allüren und Mann von Welt - der Aachen nur selten verlässt: Hermann Bühlbecker rettete die abgewirtschaftete, 300 Jahre alte Lebkuchenbäckerei seiner Ahnen und katapultierte die Lambertz-Gruppe an die Spitze der Branche.

Aachen - "Herr Bühlbecker wartet in der Galerie auf Sie", informiert die Dame in dem kleinen Aufseher-Häuschen direkt am Werkstor. Mit der Hand deutet sie den Weg über den betonierten Hof, geradewegs zu einem der zwei Eingänge des nüchtern bis tristen Verwaltungsgebäudes der Lambertz-Unternehmensgruppe.

"Hoflieferant des Weihnachtsmanns": Hermann Bühlbecker, Inhaber des Aachener Gebäckherstellers Lambertz
Allein das dunkelrote Firmenschild mit den weißen Sonnenstrahlen und die Politur des schwarzen Jaguars auf dem Chef-Parkplatz zeugen von dem Glanz des Aachener Traditionsunternehmens.

In der Galerie angekommen, fällt neben den bebilderten Wänden die gedeckte Kaffeetafel ins Auge, die auf einem Silbertablett eine große Auswahl von Lebkuchen, Spekulatius und anderen Süßigkeiten bereithält. Eine aufmerksame, aber gleichsam nicht überraschende Geste des gastgebenden Gebäckherstellers.

Bühlbecker wirkt alterslos. Zwar verraten die grau-melierte Haarmähne und der gepflegte Silberbart das Alter des 54-jährigen Aacheners. Doch die Dynamik seiner Bewegungen und die Wachsamkeit seiner Augen müssen jenen vor 27 Jahren ähneln, als er - ebenso alt - die Geschäftsführung des 300 Jahre alten Familienunternehmens von seinem Onkel übernahm.

 Lambertz-Produktionsstraße: Apfelgelée wird auf den Lebkuchenteig des späteren Dominosteins gespritzt  Dominostein vor Vollendung: Lebkuchenmatte mit Persipanschicht  Das Schichtgebäck wird in gleichmäßige Streifen geschnitten: Auf die Längsschnitte folgt die endgültige Würfelung des schmackhaften Brockens  Dominostein in vertrauter Form: Zur Vollendung fehlt nur noch die Schokoladenkuvertüre
 Goldgelbes Ganzjahresgebäck: Der Butterspekulatius wird vorsichtig in durchsichtige Plastikkartons gelegt  Die Vorratskammer hält die Rohstoffe des Lambertz'schen Gebäcks bereit: Hier lagern neben dem Lebkuchengewürz auch Kakaobohnen, Mandelsplitter, Mehl und verschiedene Sorten Zucker  Spritzgebäck: Der Bäcker an der Linie beobachtet, ob jedes einzelne Stück der gewollten S-Form entspricht  Der ungebackene, aber schon geschnittene Lebkuchenteig rollt aus der Teigmaschine: Je nach Einstellung wird der Lebkuchen anschließend mit verschiedenen Nüssen und Schokolade veredelt

Die Produktion Lambertz'scher Leckereien
Bitte klicken Sie einfach auf ein Bild,
um zur Großansicht zu gelangen.

Die Geschichte der Firma Lambertz, die durch ihre Lebkuchen- und Printenerzeugnisse berühmt wurde, datiert zurück ins 17. Jahrhundert. Im Jahre 1688 erteilte der Rat des königlichen Stuhles und des Heiligen Römischen Reiches einem Urahnen Bühlbeckers die "Gerechtsame", in Aachen am Markt ein Backhaus zu errichten. Mit dem Verkauf erster Bildlebkuchen im "Haus der Sonne" begann die Ära der ältesten deutschen Süßwarenmarke.

Nascherei für europäische Königshäuser

Erst im 19. Jahrhundert gelang es jedoch, eine breite Käuferschicht auf die braunen Leckereien aufmerksam zu machen. Henry Lambertz kannte den Geschmack der Zeit und süßte 1820 als erster Bäcker den bislang geschmacklosen Lebkuchenteig mit Zuckersirup und Farinzucker.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

Wer sind die Unternehmer im Lande? Wie haben sie ihre Firmen zum Erfolg geführt? Unter dem Titel "Deutschland, deine Unternehmer" stellt manager-magazin.de die Gestalter unserer Wirtschaft vor. Alle bereits erschienenen Porträts
Doch Lambertz revolutionierte nicht nur den Geschmack. Auch die Herstellung der Süßigkeit vereinfachte er enorm, als er aus der aufwändigen Bildprinte ein schlichtes braunes Rechteck - die heute noch bekannte "Lambertz'sche Kräuterprinte" - schuf. Die produktivere und kostensparendere Herstellung machte das Gebäck nun auch finanziell für mehr Menschen zugänglich. Die Marke "Lambertz" wurde zur Handelsmarke.

Mit der Erfindung des ersten Schokoladengebäcks, der Schokoladenprinte, und kurz darauf der patentgeschützten "Saftprinte" gelang Ende des 19. Jahrhunderts der endgültige Durchbruch. Lambertz avancierte zum Hoflieferanten der Könige von Preußen, Bayern, Belgien und der Niederlande.

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH