Dienstag, 11. Dezember 2018

Hellmuth Weisser Der Anti-Patriarch

Familienunternehmer leiden an Kontrollwahn. Sie kleben am Chefsessel und dominieren alle Bereiche ihres Betriebes. Hellmuth Weisser, Haupteigner und Aufsichtsratschef des weltweit tätigen Hamburger Ölhändlers und Tanklagerbetreibers Marquard & Bahls, entspricht so gar nicht diesem Bild.

Hamburg - Die Zentrale von Marquard & Bahls steht auf geschichtsträchtigem Hamburger Grund. Wo heute der 50er-Jahre-Bau steht, war einst das Waisenhaus der Hansestadt beheimatet, das zwischenzeitlich auch als Rathaus diente.

Hellmuth Weisser: "Ich bin kein Machtmensch"
Es überrascht daher wenig, dass Hellmuth Weisser, der die Geschicke des Ölhändlers und Tanklagerbetreibers in den vergangenen 20 Jahren bestimmte, sich mit hanseatischen Werten identifiziert. Zwar begrüßt der Mittfünfziger seinen Besuch nicht im dunkelblauen Goldknopfsakko mit Einstecktuch. Stattdessen trägt der mittelgroße Mann mit dem ergrauten Vollbart und den wachen Augen helles Tuch.

Ansonsten stimmt aber alles. Keine Spur von Exaltiertheit und Egomanie. Er nimmt sich Zeit, um über die richtigen Antworten nachzudenken, spricht manchmal so leise, dass man die Ohren spitzen muss, um alles mitzubekommen. "Ich bin kein Machtmensch, kein Patriarch", sagt Weisser über sich.

Dieser Maxime folgend übergab er im vergangenen Jahr den Vorstandsvorsitz bei Marquard & Bahls an den Niederländer Wim Lokhorst. Seither beobachtet er das Geschehen im Unternehmen, das sein Vater gründete, als Vorsitzender des Aufsichtsrates. Allerdings sitzt er nicht im selben Gebäude wie sein Statthalter. Weisser hat sich sein hell und modern ausgestattetes Büro gegenüber der Zentrale auf der anderen Straßenseite eingerichtet - räumliche Trennung als Vertrauensbeweis.

[M] DDP; DPA; mm.de
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Dass dies ungewöhnlich für einen Familienunternehmer ist, weiß er: "Würde mein Vater ahnen, dass ich einen familienfremden Manager ranlasse, er würde sich im Grabe umdrehen." Theodor Weisser hat die Grundlagen für die Ölhandelsgesellschaft geschaffen, die sein Sohn heute aus der Distanz kontrolliert. Weil die britischen Besatzer Unternehmensgründungen verboten, übernahm er 1947 den Hamburger Getreideimporteur Marquard & Bahls. Statt mit der Einfuhr von Weizen machte der Senior aber sein Geld mit dem Handel von Schmier- und Heizölen.

In den 50er Jahren erwarb Hellmuth Weissers älterer Bruder Hans für Marquard & Bahls ein erstes Tanklager in Karlsruhe. Seither gilt die Tanklagersparte unter dem Namen Oiltanking als zweites Standbein des Unternehmens neben dem Ölhandel, der unter Mabanaft firmiert, der ehemaligen Telegrammkurzadresse von Marquard & Bahls Nafta Produkte. Oiltanking ist mittlerweile nach eigenen Angaben weltweit die Nummer zwei beim Betrieb von Öl- und Gaslagern.

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