Montag, 10. Dezember 2018

Albrecht Hornbach Nageln mit Köpfchen

Wir heimwerkvernarrten Deutschen haben sie großgezogen, die Baumarktunternehmen von Bauhaus bis Praktiker. Hornbach, die Nummer vier der Branche, schlägt sich auch in schwierigen Zeiten gut – und das nicht nur, weil die Inhaber sich auf raffinierte Weise ausländischer Hilfe bedienen.

Neustadt/Weinstraße - Wäre, ja wäre ... Albrecht Hornbach Vorstandschef einer der 30 Dax-Konzerne, es würden sofort Imageberater, Rhetorikausbilder und sonstige Öffentlichkeitstrainer ausschwärmen und ihre Dienste feilbieten. Ohne diese neumodischen Außendarstellungsverbesserer ginge er in einem Wettbewerb für geschliffenes Reden leer aus.

"Im Presslufthämmern bin ich ganz gut" Albrecht Hornbach
Aber, ja aber ... Albrecht Hornbach, 49 Jahre alt, Ehemann und Vater von vier Kindern, führt ja "nur" dieses gleichnamige, pfälzische Baumarktunternehmen, das auf der großen Bühne der Weltkonzerne von DaimlerChrysler Börsen-Chart zeigen über Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen bis Metro Börsen-Chart zeigen eine kleine Rolle spielt. Im Gegensatz zu einigen Mitgliedern der Deutschland AG wächst Hornbach aber kontinuierlich, schafft Wert ANSTATT zu vernichten, stellt Mitarbeiter ein, statt sie auf die Straße zu setzen.

Zahlen sind die Welt von Albrecht Hornbach. Richtig in Fahrt kommt er, wenn es gilt, in Ziffern gemeißelte Ergebnisse zu präsentieren. Flächenwachstum der Märkte, Mitarbeiterzahl, Umsatzgrößen, Eigenkapitalrendite - Zahlen, Zahlen, Zahlen. Als Vormann der Holding, in der die Baumärkte für 90 Prozent des Umsatzes sorgen, legt er keinen gesteigerten Wert auf geschicktes Wortgeklüngel, Schaumschlägerei gar ist ihm zuwider. Seine Devise lautet: Lieber untertreiben als übertreiben, lieber mit Zuverlässigkeit glänzen als große Töne spucken, lieber die anderen vorlassen als ein persönliches Wort über sich verlieren zu müssen.

Pragmatisch, praktisch, gut

Am Holding-Sitz in Neustadt an der Weinstraße zeigt sich seine Vorliebe für Understatement. Außerhalb der Stadt gelegen, untergebracht in einer ehemaligen Kaserne der französischen Armee, wird der gelb getünchte Bau mit dem Wasserturm am Eingang nie Kandidat für einen Architekturpreis werden. Auch bei der Innenarchitektur geht schnöde Zweckmäßigkeit vor Designanspruch.

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Hochmoderne Heimwerker
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Albrecht Hornbach passt in diese Welt. Er erscheint zum Gespräch mit manager-magazin.de in blauem Sakko, rot-gestreiftem Hemd - und ganz unprätentiös ohne Krawatte.

[M] DDP; DPA; mm.de
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Eigentlich wäre dieses Interview nach zehn Minuten zu Ende. Und man könnte einen Schoppen im Weinanbaugebiet trinken gehen. Denn Hornbachs Erfolgsgeschichte kennt man von anderen deutschen Mittelständlern: Marktlücke erkannt, mit Leidenschaft und Pioniergeist nach oben gekämpft und selbst in schwierigen Zeiten die Position halten. Derlei Beispiele gibt es etliche.

Doch der Schein trügt. Bei näherer Betrachtung ist die Geschichte des Unternehmens gespickt von Merkwürdigkeiten. Hornbach ist an der Börse gelistet - und das gleich zweimal. Hornbach kämpft gegen ausländische Baumarktgiganten und verbündet sich doch mit einem der ihren, lässt diesen immerhin 25 Prozent des stimmberechtigten Kapitals kaufen. Hornbach hat zwei Vorstandschefs, die erst spät und plötzlich ins Unternehmen eintreten. Und: Albrecht Hornbach hat sich die Rolle des Holding-Granden, so scheint es, aufschwatzen lassen.

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