Dienstag, 20. November 2018

Gerd Brachmann Aldis Enkel

Gerd Brachmann versucht sich in einer Tugend, die gemeinhin mit seinen besten Kunden, den Gebrüdern Albrecht, in Verbindung gebracht wird: Diskretion. Mit dem Verkauf von Unterhaltungselektronik en gros verdiente der Medion-Gründer ein Vermögen. Nach Jahren des Wachstums drohen seinem Elektro-Imperium schmerzhafte Einschnitte.

Nervöse Kunden, lange Schlangen, Schlägereien - mit schönster Regelmäßigkeit kursierten in der Vergangenheit Bilder wild konsumierender Bürger in den Medien. Nicht immer aber waren Sommer- oder Winterschlussverkauf am entfesselten Kaufrausch schuld.

Lauter glückliche PC-Besitzer: Medion liefert Hightech für Aldi und Co.
Auch als Aldi seine Billig-PCs unters Volk brachte, strömten die Massen. Ein PC-Freak soll sein Modell sogar einmal mit der Waffe in der Hand verteidigt haben. "Sonderverkaufsaktionen" nennt man diese Veranstaltungen mit Happening-Charakter in der Branche. Die finden in der Regel fein dosiert statt, um den Marketingeffekt nicht abzuschwächen. Denn nur rares Gut verkauft sich gut.

Einer der Hauptverantwortlichen für die Verbreitung der begehrten Massenprodukte der Unterhaltungselektronik ist der Essener Kaufmann Gerd Brachmann. Der beliefert die großen Discounter mit allem, was das Herz des verspielten Konsumenten begehrt. Der letzte Schrei waren Multimedia-Notebooks, hochgerüstet wie Profigeräte, und unverschämt billig.

In naher Zukunft sollen Discount-Einkäufer aus aller Welt ihre Elektro-Konsumartikel beim Mülheimer Supermarktlieferanten kaufen. Jedenfalls nach dem Willen von Brachmann. Der hält noch immer die Aktienmehrheit an Medion Börsen-Chart zeigen und als Hausmacht und Vorstandsvorsitzender die Fäden in der Hand.

Der Kavalier genießt - und schweigt

Der beste Kunde von Brachmann sei Aldi, munkeln Branchenkenner. Unbestätigten Berichten zufolge erwirtschaftet Medion 60 Prozent seines Umsatzes in enger Symbiose mit den Altmeistern des Discounthandels. Nach dem Wahrheitsgehalt dieser Mutmaßungen gefragt, verhält sich Gerd Brachmann wie ein Kavalier - er genießt und schweigt.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Denn eines seiner stärksten Argumente neben der Qualität, die er vor allem unter dem matttönenden Namen "Lifetec" in mächtigen Stückzahlen zu liefern pflegt, ist die Diskretion. Die pflegt er gewissenhaft - sowohl privat als auch geschäftlich.

Trotz regelmäßiger öffentlicher Auftritte bei den Hauptversammlungen gibt es keine Bilder von Brachmann. Niemand weiß offiziell, welcher Abnehmer der kaufkräftigste ist - Tchibo, Aldi oder Tengelmann. Auch über Brachmanns Privatleben ist nichts bekannt.

Die Geheimniskrämerei ist gut fürs Geschäft, denn mit vagen Zahlen lässt sich gut verhandeln. Sie ist gut für die Weiterverkäufer, die ungern ihre Umsätze in die weite Welt hinausposaunen. Und sie war bisher gut für Brachmann. Denn die Geschäftszahlen des Konzerns stimmten die leidgeprüften Anleger milde und stabilisierten den Kurs der im MDax notierten Medion-Aktie - jedenfalls bis vor kurzem.

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