Mittwoch, 14. November 2018

Familie Knauf Die Jäger des weißen Goldes

Die fränkische Dynastie Knauf schuf aus ihrem mittelständischen Betrieb den weltweit zweitgrößten Gipskonzern. Einst äußerst verschwiegen, gewähren die Knaufs mittlerweile etwas Einblick in ihr Reich.

Hamburg - Sie verdanken ihren Wohlstand dem genialen Erfindungsgeist der Natur. Es ist Gips, den die Milliardärsdynastie Knauf seit nunmehr über 70 Jahren abbaut und aus diesem meist tafelförmigen und leicht gräulichen Mineral beispielsweise Gipskartonplatten herstellt.

Unternehmer, Kommunalpolitiker und Honorarkonsul: Nikolaus Knauf und sein Vetter Baldwin
Das Fundament des heutigen Weltkonzerns legten die Gebrüder Alfons N. und Karl Knauf im Jahre 1932, als sie, aus bescheidenen Verhältnissen kommend, ein Gipswerk im Mosel-Städtchen Perl errichteten.

Kurze Zeit später verlegten sie ihren Firmensitz ins unterfränkische Iphofen, das gut 30 Kilometer südlich von Würzburg liegt. In dieser mittelalterlichen 5000-Seelen-Gemeinde liegt seitdem der Stammsitz und schlägt das Herz des international agierenden Baustoffkonzerns. Hier ist auch das Museum beheimatet, in dessen Räumen unter anderem 200 Repliken aus Gips ausgestellt sind.

Weißes Gold zwischen den Weinbergen

Wirtschaftlich gesehen dominiert der mächtige Konzern die beschauliche Kleinstadt. Schließlich stammt ein Großteil der örtlichen Steuereinnahmen von Knauf. Und es gibt nicht wenige Menschen, die meinen: Der Wohlstand von Iphofen ist zum großen Teil den Knaufs zu verdanken. Viele der Iphofener Bürger arbeiten beim Baustoffkonzern und bauen das "weiße Gold" ab, das unter den vielen Weinbergen liegt, zwischen denen Iphofen eingebettet ist.

[M] DDP; DPA; mm.de
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Verantwortlich für den rasanten Ausbau des Unternehmens sind Nikolaus Knauf (68), dreifacher Familienvater und Hobbygolfer, und sein Vetter Baldwin (66), die Ende der 60er Jahre das Ruder im Konzern übernommen haben. Das Duo der zweiten Familiengeneration führt den zweitgrößten Gipskonzern der Welt, hinter der französischen Lafarge und vor der britischen BPB.

Bis vor kurzem agierten die Knaufs wie viele andere Familienunternehmer: Möglichst nicht in der Öffentlichkeit auftreten und still gegenüber der Presse verhalten, getreu der Maxime: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Die dicken mittelalterlichen Mauern, die Iphofen umschließen, standen symbolisch für die Verschwiegenheit der Unternehmer. So wurde offiziell auch nicht bestätigt, was die lokale Zeitung berichtet hatte. Dass nämlich kein geringerer als Papst Johannes Paul II. es gewesen sei, der einen Glückwunschbrief an die Tochter des geschäftsführenden Gesellschafters Nikolaus Knauf, und ihren Ehemann, den Neusser Baustoff-Erben Anton Werhahn, geschickt hatte.

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