Donnerstag, 18. Oktober 2018

Familie Lindner Die Nadel-Pioniere

Es gibt Dinge, die führen ein Schattendasein in dieser Welt. Industrienadeln zum Beispiel. Die produziert der schwäbische Familienbetrieb und Marktführer Groz-Beckert seit 150 Jahren - unter besonderer Berücksichtigung sämtlicher Tugenden des deutschen Mittelstandes.

Albstadt - Die Einsatzgebiete für die exotisch klingenden Produkte sind zahlreich. Überall dort, wo es Fasern zu verarbeiten gibt, verrichten die Präzisionswerkzeuge von Groz-Beckert klappernd ihren Dienst.

Feinwerkzeuge für Strickmaschinen: Industrienadeln des Marktführers Groz-Beckert
Besonders gefragt sind Nadeln für Strick- und Wirkwaren, aber auch Kohlefasermatten, medizinische Implantate oder Kevlareinlagen für schusssichere Westen werden mit den stählernen Helfern gefertigt. Die Erfolgsgeschichte des Familienbetriebs jedoch ist eine Ausnahme in der siechen Branche.

Früher war der Zollern-Alb-Kreis im Südwesten der Schwäbischen Alb berühmt für seine Textilindustrie. Heute ist das Schnee von gestern. Unter anderem Trigema und Groz-Beckert haben die diversen Rezessionen überstanden. Die Nadelhersteller, weil sie expandierten, bis sie Marktführer in ihrem Segment waren, der Textilproduzent, weil deren Chef Wolfgang Grupp bis heute eisern an den ethischen Werten der 60er Jahre festhält: Fleiß, Qualität und Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Belegschaft.

Eine deutsch-deutsche Erfolgsgeschichte

Mit diesen Tugenden führt auch Thomas Lindner, Nachfahre der Gründerfamilie Beckert, seit 1987 den mittelständischen Betrieb, den er noch heute - trotz weltweiter Tätigkeit - Familienunternehmen nennt. Lindner ist in der Geschäftsführung für Controlling, Finanzen und Unternehmensentwicklung zuständig. An seiner Seite: Florian Groz, verantwortlich für den Bereich zentrale Aufgaben.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Ursprünglich waren die Familien Groz und Beckert Konkurrenten. Theodor Groz residierte seit 1852 in Ebingen/Albstadt, Ernst Beckert in Chemnitz. Beide Unternehmen wuchsen und gediehen prächtig, riesige neogotische Rotklinkerwerkshallen entstanden hier wie dort, das Wachstum wollte kein Ende nehmen. Erst die Wirtschaftskrise 1923 bremste die ungezügelte Expansion. 1937 fusionierten Groz und Beckert, der größte deutsche Nadelhersteller mit dem gravitätischen Namen "Theodor Groz & Söhne & Ernst Beckert, Nadelfabriken Commandit-Gesellschaft, Ebingen und Chemnitz" entstand.

Im Zweiten Weltkrieg wird das Chemnitzer Werk zerstört, die Lager werden geplündert und die Maschinen nach Russland gebracht. In Albstadt verhindert die französische Wirkwarenindustrie die komplette Demontage. Die Nadelproduktion in Albstadt läuft wieder an, Groz-Beckert nutzt seine alten Kontakte, auf der ganzen Welt werden Produktions- und Vertriebstochtergesellschaften gegründet.

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