Freitag, 16. November 2018

Kölmel-Urteil "Kinowelt-Gründer ist kein Schwerverbrecher"

Wegen Untreue, Betrug und Insolvenzverschleppung stand Michael Kölmel vor Gericht. Die Anklage forderte neun Jahre Gefängnis, die Verteidigung eine Geldstrafe. Das Gericht sprach heute das Urteil.

München - Zweieinhalb Jahre nach der Pleite der Kinowelt Medien AG Börsen-Chart zeigen ist der Unternehmer Michael Kölmel zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden.

Muss nicht ins Gefängnis:
Michael Kölmel
Er muss außerdem eine Geldstrafe von 126.000 Euro zahlen. Das Münchner Landgericht sprach ihn am Donnerstag der vierfachen Untreue sowie vorsätzlicher Insolvenzverschleppung schuldig. Vom Vorwurf des Betrugs wurde er frei gesprochen.

Der Vorsitzende Richter sagte in der Urteilsbegründung: "Kölmel ist keineswegs der Schwerverbrecher, als der er dargestellt wurde." Es sei ihm jedoch eine gewisse Abenteuerlust vorzuhalten. Er habe ständig nach neuen Geschäftsfeldern gesucht. Das sei für ihn wie ein Monopoly-Spiel gewesen, an dem er schließlich scheiterte. Mit der Geldstrafe solle er auch in seinem Vermögen getroffen werden.

Die Anklage hatte neun Jahre Gefängnis gefordert. Kölmel habe sich wiederholt und mit krimineller Energie bereichert und einen enormen Schaden verursacht, hatte der Staatsanwalt gesagt. Nach Auffassung der Anklage verletzte Kölmel mehrfach seine kaufmännischen Sorgfaltspflichten und täuschte Aktionäre und Öffentlichkeit. So soll er am Aufsichtsrat vorbei die Übernahme der Sportwelt durch die Kinowelt betrieben haben.

Als Kaufpreis für die Anteile an dem Sportrechte-Vermarkter erhielt Kölmel laut Anklage 30 Millionen DM. Eine Gegenleistung - etwa in Form der Übertragung von Vermögenswerten - soll es aber nie gegeben haben. Allein für diese Vorwürfe beantragte die Staatsanwaltschaft eine Einzelstrafe von fünf Jahren. Die ab 1998 am Neuen Markt börsennotierte Münchner Kinowelt Medien AG meldete Ende 2001 Insolvenz an. Die Verteidigung hatte auf eine Geldstrafe plädiert.

Kölmel ist mittlerweile als Geschäftsmann mit seiner neuen Filmhandelsgesellschaft Kinowelt GmbH in Leipzig tätig.

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