Mittwoch, 23. Mai 2018

Management "Der Einkauf muss entfesselt werden"

Im Einkauf deutscher Unternehmen schlummern Sparpotenziale in Milliardenhöhe. Im Interview mit manager-magazin.de analysiert Beschaffungsexperte Lutz Kaufmann die Versäumnisse des Managements, beschreibt die Qualitäten guter Einkäufer und sagt, warum es im Procurement auch Indianer geben muss.

mm.de:

Eine aktuelle Analyse des manager magazins zeigt: Viele deutsche Unternehmen verschleudern bei der Beschaffung enorme Summen. Gibt es in Deutschland zu wenig gute Einkäufer?

Einkäufer-Ausbildung:
"Man braucht im Unternehmen nicht nur Häuptlinge, sondern auch Indianer."
Kaufmann: Es gibt immer zu wenig gute Einkäufer! Das gilt nicht so sehr für Großunternehmen, sondern vor allem für den größeren Mittelstand. Bei vielen Großunternehmen ist der Einkauf schon sehr professionell organisiert: Bei Siemens oder BMW ist der Einkauf topp, da gibt es gar keine Diskussion. Die brauchen sich hinter keinem General Electric, Philips oder sonst wem zu verstecken. Die Schwierigkeiten beginnen, wenn man von den Top Twenty abwärts schaut.

mm.de: Was muss ein guter Einkäufer können?

Kaufmann: Ein guter Einkäufer sollte Kenntnisse in den unterschiedlichsten Bereichen haben. Wenn man überlegt, mit wem der Einkauf im Unternehmen interagiert, dann sind fast alle Bereiche abgedeckt: Mit der Rechtsabteilung, mit der Produktion, mit der Entwicklung, mit dem Marketing.

Außerdem hat der Einkauf mit dem Topmanagement zu tun. Dem Controlling muss der Einkäufer Daten bereitstellen, und für die Unternehmensplanung müssen die Fragen Zulieferpreise und Materialkostenquote geklärt werden. In den meisten Unternehmen sind das bereits über 50 Prozent der Gesamtkosten. Optimalerweise sollte ein guter Einkäufer also über Fähigkeiten in den Bereichen Technik, Betriebswirtschaft und Recht verfügen.

mm.de: Wie sollte die ideale Ausbildung für Top-Einkäufer aussehen?

Kaufmann: Die Frage ist: Was soll denn der fertige Einkäufer im Endeffekt machen? Man braucht ja im Unternehmen nicht nur Häuptlinge, sondern auch Indianer. Für die Indianer braucht man eine gute Breitenausbildung. Da leisten beispielsweise Fachhochschulen sehr gute Arbeit. Nachholbedarf gibt es vor allem bei der Förderung der Einkäufer in den Unternehmen.

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