Sonntag, 9. Dezember 2018

Familie Grohe Warmer Regen dank Duschköpfen

Mit Wasserhähnen, Duschbrausen und Badezimmerarmaturen wurde die Familie Grohe groß. Der Verkauf ihres gleichnamigen Unternehmens spülte dem Clan aus Hemer ein stattliches Vermögen aufs Konto.

Hamburg - Das Unternehmen Grohe schwimmt gegen den Strom. Nach eigenen Angaben "auf dem Sprung zum Weltmarktführer" (Umsatz 2003: 885 Millionen Euro) wächst der Gewinn von Europas größtem Anbieter von Sanitärarmaturen, Spülsystemen, Brausen und Wasserhähnen kontinuierlich. Im abgelaufenen Geschäftsjahr betrug das Ergebnis vor Steuern und Abgaben 185 Millionen Euro. Das entspricht einer Umsatzrendite von über 20 Prozent.

Understatement fürs Bad: Grohe Waschbecken "Tenso"
Der geplante Börsengang wurde trotz der hervorragenden Zahlen abgesagt. Außerdem muss Grohe-Chef Peter Körfer-Schün im September seinen Posten räumen. Sein Nachfolger David Haines war bisher Global Marketing Director der Vodafone Group und genießt das Vertrauen der Texas Pacific Group. Die hatte den weltweit führenden Sanitärarmaturen-Hersteller aus dem Sauerland zusammen mit der Investmentgesellschaft CSFB Private Equity Anfang Juni vom bisherigen Eigentümer BC Partners übernommen.

Zum vereinbarten Kaufpreis machte Grohe keine Angaben, er betrug dem Vernehmen nach knapp 1,8 Milliarden Euro. Der Börsengang ist damit zwar nicht gänzlich vom Tisch, aber liegt fürs erste auf Eis. Die neue Situation ist für Grohe nicht ungewöhnlich. Schon vor rund drei Jahren hatten die Armaturenbauer still und leise das Börsenparkett wieder verlassen.

Mauerblümchen an der Börse

Das Unternehmen ist alles andere als ein in Verruf geratenes Dotcom-Start-up. Die Grohe-Gruppe ist Old Economy vom Feinsten: Seit Jahren rentabel und expansiv. Unter Branchenkennern galt sie stets als eine "Perle des MDax". Investors Liebling aber ist Grohe nie geworden.

 Becken 1: Grohe Atrio  Variabel: Grohe-Duschkopf  Heißt wie die Lenker von Bosch: Die Armaturenlinie "F1"  Becken 2: Grohe Tenso

Geleckt: Grohe-Galerie
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"Die Börse ist eben nicht immer das geeignete Finanzierungsinstrument", kommentierte Peter Körfer-Schün damals die fast tragische Konstellation. Das Unternehmen war zu klein, um von Analysten und institutionellen Anlegern beachtet zu werden, und zu wenig schillernd, um vor dem eher unkritischen Auge der Privatanleger Gnade zu finden. Der Kurs dümpelte dahin, ging tendenziell eher runter als rauf.

Kerngesund und dennoch chronisch unterbewertet - wie vielen anderen Mid-Caps blieben auch den Westfalen aus Hemer die Geldtöpfe des Kapitalmarktes verschlossen. Mit anderen Worten: Der Grohe-Aktie fehlte die publikumswirksame Story.

Die Geschichte des Unternehmens erzählt sich etwa so: 1936 erwirbt Friedrich Grohe mit Zustimmung seines Vaters Hans Grohe die im Jahre 1911 gegründete Firma Berkenhoff & Paschedag. Hans Grohe produziert bereits seit 1901 Brausen und Wasserhähne.

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